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Was tun gegen die Angst? | 11 hilfreiche Strategien in Krisenzeiten

Unsicherheit, Beklemmung, Ausweglosigkeit, Fremdbestimmung,… Angst hat viele Gesichter und ist jedem von uns bekannt. Derzeit sind alle Newsticker mit Meldungen rund um Corona voll. „Ganz ohne Angst würde es uns heute alle nicht geben, diente sie von jeher unseren Vorfahren als Warnung, zu fliehen, in Deckung zu gehen oder auch anzugreifen um das eigene Überleben und das der Spezies zu sichern. Sofern es eine situationsbedingte (als Zustand) und nicht persönlichkeitseigene Angst (als Eigenschaft) ist, dient sie dazu, Situationen einzuschätzen, um abzuwägen, was ein guter nächster Schritt sein könnte, kann also je nachdem, lähmend oder mobilisierend wirken.

Ohne Angst könnten wir nicht überleben.

Angst kann man ja auch als Überbegriff einer Gefühlsfamilie betrachten, in der das Spektrum der Abstufungen von Verunsicherung über Nervosität bis hin zur Panik reicht. Eine Situation mit etwas Respekt zu betrachten, kann man also auch als eine Graduierung von Angst verstehen.“

sagt Linda Syllaba (Dipl. psych. Beraterin und Coach)

Wenn die Angst mein Leben bestimmt…

Ich nehme Angst dann wahr, wenn ich (gefühlt) uninformiert bin oder Fakten bzw. Sachlagen nicht beurteilen kann. Wenn ich das Gefühl habe, die Kontrolle abgeben zu müssen oder die Brisanz und gegebenenfalls Auswirkungen nicht einschätzen kann.

„Solange ein Thema in der eigenen Wahrnehmung vernebelt bleibt, erscheint es auch bedrohlich. Das bedeutet, Wissen kann manchmal helfen, die eigene Angst zu regulieren. Wenn ich verstehe, um was es da eigentlich geht, was es für mich bedeutet und was ich konkret tun kann, um damit umzugehen, kommt Klarheit herein, der Nebel hebt sich und ich kann mich besser orientieren. Sogar die Betrachtung des „worst-case-Szenarios“ kann manchmal hilfreich sein, um sich wieder zu beruhigen.

Wenn ich z.B. Angst vor einer Trennung von meinem Partner habe, weil ich nicht weiß, wie ich es wirtschaftlich alleine schaffen soll, kann es helfen, sich mal genau anzusehen, wie die Faktenlage tatsächlich ist: Welche eigenen Ressourcen habe ich zur Verfügung (aufrechtes Dienstverhältnis, Sparbuch, Eltern, die im Notfall unterstützen,..), wie ist der rechtliche Rahmen (Unterhaltspflichten, Anrecht auf gemeinsam erwirtschafteten Besitz, Kinderbetreuungsgeld,…), wer oder was steht mir sonst noch zur Verfügung, um mich im Ernstfall zu unterstützen?
Dann wird das Bild klarer und ich werde vermutlich zu dem Schluss kommen, dass es vlt. nicht einfach wird, ich jedoch auch nicht unter der Brücke landen werde. Es geht ja darum, das absolute Horrorszenario, das die Angst befeuert, zu entkräften und sich selbst eigenverantwortlich und selbstbestimmt zu halten. Je fremdbestimmter, wir uns selbst erleben, umso unangenehmer fühlt es sich an in so einer Situation.

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Wie so oft im Leben, bewirkt zu viel des Guten das Gegenteil. Das bedeutet man kann sich selbst auch vollkommen verrückt machen durch zu viel Recherche. Vielleicht kennst Du das bereits, wenn du ein körperliches Symptom in „Dr.Google“ eingibst und mit der überbordenden Flut der möglichen Diagnosen konfrontiert wirst.“ so Linda Syllaba.

Hilfreich bei akuter Angst kann vor allem ein Mindset-Change sein – 11 Strategien, die helfen

Gesunder Hausverstand, die eigene Intuition ist dann durch nichts zu ersetzen. Da ist es ein großer Vorteil, wenn man mit sich selbst gut verbunden ist. ATMEN ist diesbezüglich eine sehr gute Idee. Und in manchen Situationen hilft es auch, den Unkenrufen anderer Menschen nicht zuzuhören, Ohren zuhalten! Angst kann nämlich ansteckend sein, über die Ohren und die Augen und auch über das körpernahe Energiefeld. Sehr feinsinnige Menschen kennen das und sind es gewohnt sich davor zu schützen, indem sie Abstand halten, sich gut abgrenzen und sich selbst gut zentrieren (Verbindung mit sich selbst halten). Es kann nämlich tatsächlich passieren, dass man mit Angst herumläuft, die einem nicht einmal selbst gehört, sondern die man von jemand anders übernommen hat. Die gilt es dann abzuschütteln, abzustreifen, zurückzugeben, wo auch immer sie hingehört. Ich weiß, das klingt jetzt gerade mega-esoterisch und ich bin doch sicher, dass zumindest viele Leserinnen wissen, was ich meine oder sogar selbst Erfahrung damit haben.

Und das gute, alte „Anerkennen, was ist“ schafft auch etwas Erleichterung. Damit meine ich, dass man sich selbst „erlaubt“, dass etwas aus der Gefühlsfamilie Angst gerade da ist. Das ist eine Ermutigung, die Angst zu spüren, ernst zu nehmen und zu hinterfragen, was sie einem gerade sagen will. Nicht jedoch, sich durch Gedankenkarussell-Fahrten hineinzusteigern und im Angstsumpf zu baden.

Glaub nicht alles, was du denkst.

Glaub nicht alles, was du denkst“ lautet das Motto! Hinterfrage, ob es auch wirklich wahr ist, wie real ist das, was dir da gerade durch den Kopf saust? Und wie gegenwärtig?
Löse dich von den Hollywood-Blockbustern in deinem Hirn und konzentriere dich lieber auf das Hier und Jetzt. Das erreichst du durch Achtsamkeitstraining, Atmen, von den Fußsohlen bis zum Scheitel Körperwahrnehmungen benennen, Erwachsen bleiben, im Notfall um Hilfe bitten.

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Drüber reden kann auch helfen, besonders Frauen brauchen das. Also suche Dir eine vertraute Person, mit der du über deine Sorgen sprechen kannst, ohne dafür bewertet oder gar verurteilt zu werden. Es geht darum, es ernst zu nehmen und nicht runter zu spielen. Gedankenaustausch kann da gut sein und pass gut auf, dass solche Begegnungen für dich konstruktiv verlaufen. Miesepeter, Unkenrufer oder auch Bagatellisierer sind in so einer Situation keine geeigneten Gesprächspartner. Genau genommen, ist das generell meine Empfehlung, fürs ganze Leben.

Trau dich, in der Krise weiterzudenken:

Wer beängstigende Situationen und drastische Maßnahmen aus einer anderen Perspektive abseits der blanken Angst betrachtet, wird sogar Chancen erkennen!

Ich persönlich sehe die derzeitigen Entwicklungen als weltweiten Weckruf: Unsere Erde brennt und das nicht erst jetzt.

Jetzt ist unsere Möglichkeit, uns neu auszurichten. Wir sind privilegiert, in einem hochentwickelten Land mit moderner medizinischer Versorgung zu leben, ein „Basic“, das wir unter anderen Umständen gar nicht so wahrnehmen.

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Krise kann bedeuten zu wachsen.

Leider wird es viele Menschen in tragischer Weise betreffen, so wie die Entwicklungsprognosen derzeit vermuten lassen, dennoch kann jede*r einzelne für sich daran wachsen.

Es kann beispielsweise bedeuten, die Zeit, die wir so gewinnen, intensiver mit der Familie zu verbringen und uns darauf zu besinnen, was wir gern machen. Es darf alles ein bisschen langsamer und weniger termingesteuert werden… backen, basteln und spielen, den Garten auf den Frühling vorbereiten, die Wohnung umgestalten oder schlicht einfach endlich die Bücher zu lesen, die sich wegen dem „Alltagsstress“ seit Monaten am Nachttisch stapeln.

Werte neu definieren und die Zeit, die uns dringend empfohlen wird, daheim zu verbringen, so gut wie möglich zu verbringen ist ein erster Schritt. „Was brauche ich wirklich?“ „Was kann ich für andere tun, die gerade Hilfe und Beistand brauchen?“ – Ein Minimum an sozialen Kontakten kann in den fortschrittlichen, digitalen Zeiten gut via Video-Telefonie erfolgen. Menschen in unserer Umgebung, die Angst haben und unsicher sind, brauchen gerade jetzt Ansprache und die Sicherheit, nicht allein zu sein.

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Restart – Chance – Perspektivenwechsel

Wenn dich die Angst ergreift, hol dir Hilfe: beziehungshaus.at (Code für 20€ Ermässigung: 20€GS2020_LSY ) – Linda ist via Online-Coaching erreichbar.

Wie sage ich es den Kindern?

Mit Kindern über sehr ernste oder gar bedrohliche Situationen zu sprechen ist richtig herausfordernd, wo wir als Eltern doch versuchen,  alle Sorgen und Angst von unseren Kindern fernzuhalten. Wir haben als Eltern die „Führungsrolle“ inne – so wie ein guter Vorgesetzter mitfühlend und konkret mit Mitarbeitern spricht, können wir das jetzt als unsere Aufgabe sehen, Kindern zu erklären, was sie beitragen können.

Versuche selber die Lage ruhig und nüchtern zu betrachten und damit die Sorge und Emotionen und die Angst nicht durch Worte und Gesten zu übertragen. Es ist Kindern zuzumuten, die Wahrheit zu besprechen: Es gilt nicht zu bagatellisieren, aber auch keine Panik zu verbreiten. Wir wollen selber nicht krank werden und auch andere Menschen nicht gefährden. Auch hier können „Familienregeln“ gelten, die auch sonst im Alltag ihren fixen Platz haben sollen.

„Schau gut auf dich.“ „Schau gut auf die anderen.“

Das implementiert einmal mehr die unumgänglichen, verstärkten Handhygiene-Maßnahmen und die Nies-, sowie Husten-Etikette, die Kindern ab dem Kleinkindalter gut beizubringen bzw. zu erklären sind. Tipps dazu gibt es hier: Richtig Händewaschen mit Kindern 

Ehrlichkeit und offene, ernste Gespräche sind jedenfalls wichtig – Hysterie ist unangebracht.

Die eigene Panik und Angst zu managen ist dafür die wesentliche Grundlage. Bei aller Ernsthaftigkeit der Situation gilt es, die Energie ins Positive zu lenken und eine Sogwirkung zu vermeiden: ENERGIE FOLGT DER AUFMERKSAMKEIT.

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3 Kommentare zu “Was tun gegen die Angst? | 11 hilfreiche Strategien in Krisenzeiten

  1. Hallo, danke für diese so wichtigen Tipps in dieser schwierigen Zeit. Da konnte ich viel mitnehmen.
    Danke!

    Grüße
    Hannah

  2. Pingback: Wie wirkt sich die Pandemie eigentlich auf uns aus? | Mama mal 3

  3. Guten Tag,
    vielen Dank für diesen Beitrag. Sehr informativ! Ich selber schreibe ebenfalls über die Themen rund um Babys und Kinder.
    LG
    Marco

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