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Wut. Warum große Gefühle wichtig sind und was sie dir als Mama zeigen.

Zuletzt aktualisiert am 15. Mai 2018 um 22:16

GASTARTIKEL

Mamas Wut – Von Gefühlen lernen

Ganz oft erzählen mir Mamas in meiner Arbeit (www.mastermum.at) von ihrer Wut. Eine Wut, die sie so nicht kannten, bevor sie Kinder hatten. Die sie hilflos macht. Und die mit vielen Schuldgefühlen verbunden ist. Weil sie immer noch ein großes Tabu-Thema ist und sie immer noch das Gefühl haben, allein damit zu sein.

Darum möchte ich euch heute einmal etwas ganz Persönliches erzählen. Von meiner Wut.

Meine Wut – große Gefühle

Es ist nämlich nicht so, dass ich dieses Gefühl nicht auch kennen würde….oh nein…ich kenne die Wut sogar sehr gut!

Ich habe mit ihr erst so richtig Bekanntschaft geschlossen als ich Mama wurde. Ich denke, dass sie davor immer andere Kanäle gefunden hat. Aber dann…ganz plötzlich…war sie auf einmal da. Auf den ersten Blick wegen einer Kleinigkeit. Auf den zweiten Blick wegen etwas ganz Wichtigem: Sie kam immer dann, wenn ich meine eigenen Bedürfnisse zu lange ignoriert hatte.

NIE hätte ich gedacht wie schnell, wie intensiv und wie heftig diese Wut kommen kann…wie eine große Welle, die plötzlich aus dem scheinbar so ruhigen Meer an den Strand donnert.

Mein Sohn war noch sehr klein und ich hatte wochenlang oder wohl eher monatelang nachts nicht mehr länger als 1 Stunde am Stück geschlafen. Ich war erschöpft. Ich war in Wahrheit am Ende meiner Kräfte. Ich brauchte dringend Ruhe. Und Schlaf. Und Zeit für mich. Stattdessen machte ich den Haushalt, versuchte stark zu sein und mir nichts anmerken zu lassen. Andere schafften es doch auch. Oder? Als es dann Zeit war für den Mittagsschlaf und mein Sohn nicht und nicht einschlafen wollte, lief mein Fass das erste Mal über. Ich wurde so unglaublich wütend, dass ich aus dem Raum lief und brüllte. Ich spürte, wie die Wut meinen ganzen Körper erfasste und ich innerlich bebte. Warum ließ mich dieses Kind nicht schlafen? Warum waren ihm meine Bedürfnisse so egal? Warum waren ALLEN meine Bedürfnisse egal?

Natürlich konnte mein Sohn gar nichts dafür. Und natürlich war es als Baby auch überhaupt nicht seine Aufgabe, meine Bedürfnisse zu stillen. Es war auch nicht die Aufgabe von irgendjemandem sonst. Meine Bedürfnisse konnte ich nur selbst ernst nehmen. Aber das wusste ich damals noch nicht in dieser Klarheit.

Als mein Mann abends heimkam und mich fragte, wie unser Tag war, brach ich in Tränen aus. Ich fühlte mich so schlecht. Ich schämte mich, dass ich mich nicht besser unter Kontrolle gehabt hatte. Wie konnte ich nur so wütend werden auf mein Baby? Was musste ich bloß für eine furchtbare Mama sein!

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Ich war und bin keine furchtbare Mama! Es sind meine Gefühle!

Aber ich war damals eine Mama, die ihre Bedürfnisse bereits sehr lange ignoriert hatte. Die sich selbst nicht mehr wichtig genommen hatte. Die dachte, funktionieren zu müssen – statt sich eine Pause zu erlauben! Die irgendwie darauf wartetet, dass jemand kam und sagte: Du DARFST auch als Mama auf dich schauen! Aber der „jemand“ kam nicht J.

Stattdessen kam die Wut, die mir genau DAS lehrte: Wenn du vor deinem Kind nicht brüllen willst, wenn du nicht explodieren  möchtest oder nur noch gereizt sein willst, dann MUSST du auf dich schauen! Mehr als je zuvor!

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Foto: Daniela Gaigg

Das zeigte mir mein Wut-Gefühl

Ich wurde achtsam auf die Vorzeichen meiner Wut: Ungeduld, Gereiztheit, Müdigkeit.  Ich spürte, dass das die „Vorwarn-Stufen“ waren, bei denen ich bereits reagieren musste. Und das Handeln sah folgendermaßen aus:

  • Ich sorgte dafür, dass ich umgehend eine Auszeit bekam.
  • Ich machte etwas, das mir richtig gut tat (eine Yogastunde, eine liebe Freundin alleine auf einen Kaffee treffen, mich in die Badewanne legen etc).
  • Ich fragte um Unterstützung: meinen Mann, Freundinnen, die Babysitterin, die Nachbarin.
  • Ich hörte auf, mir einzureden, dass ich alles alleine schaffen müsste.
  • Ich redete offen über meine Gefühle mit anderen Mamas und erfuhr, dass ich damit absolut nicht alleine war.

Es gibt nichts, was wir alleine schaffen müssen. Wir dürfen zu jeder Zeit Unterstützung annehmen- dürfen sogar aktiv danach fragen! So, wie es auch unsere Kinder tun, wenn sie spüren: ich brauche Hilfe! Nie würden wir unsere Kinder dafür als Versager betrachten- warum tun wir es dann bei uns?

Ich lernte mich kennen – über meine Wut

Meine eigenen Grenzen kennenzulernen, Selbstverantwortung für mein Wohlbefinden und meine Gesundheit zu übernehmen und ganz liebevoll mit mir selbst zu sein –  das habe ich durchs Mamasein wirklich noch viel intensiver lernen dürfen!

Die Wut hat diesen Lernprozess begleitet – vielleicht auch beschleunigt. Ich hätte vermutlich auch „hinunterschlucken“ können oder wegdrängen. Aber sie hat mir beigebracht, meine Bedürfnisse früh genug (!) ernst zu nehmen- nicht erst, wenn ich Explodiere!

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Warum ich euch das alles erzähle?

Weil ich mir wünsche, dass wir als Mamas nicht mehr vor vorgehaltener Hand über solche Themen sprechen müssen. Dass wir ehrlich und offen mit all den Gefühlen umgehen können, die das Mamasein mit sich bringt. Dass wir uns nicht schämen müssen oder Schuldgefühle haben, weil wir denken, versagt zu haben. Dass wir uns nicht gegenseitig mit erhobenem Zeigefinger bewerten sondern voneinander lernen und uns gegenseitig inspirieren.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie überwältigend der Alltag als Mama manchmal ist.

Auch wie überwältigend die Gefühle sind, die man als Mama empfindet. Aber bitte vergesst nicht: Ihr müsst NIE alleine damit sein! Jederzeit und immer dürft ihr euch Unterstützung holen- egal in welcher Form! Aus genau diesen eigenen Erfahrungen bei meinem Start ins Mamasein habe ich einige Jahre später MasterMum gegründet.

Mag.Ruth Theuermann-Bernhardt

wut. warum große gefühle wichtig sind und was sie dir als mama zeigen.
Mag. Ruth Theuermann-Bernhardt Foto: Jakob Glaser

Gründerin von MasterMum, Kinesiologin, Expertin für Mütter-Ressourcen und selbst 2-fache Mama

www.mastermum.at

facebook.com/beMasterMum/

INFO:

In der MasterMum Gruppe gibt es nicht nur Raum, um sich mit anderen Mamas auszutauschen und festzustellen: Hey, da gibt es noch andere Frauen, denen es GENAU gleich geht- obwohl wir ganz verschieden sind!

MasterMum ermöglicht dir auch:

  • deine Bedürfnisse wieder gut zu spüren und achtsam mit ihnen zu sein.
  • mit einfachen Tools dir immer wieder selbst Aufmerksamkeit in deinem Alltag zu schenken
  • alte Glaubenssätze aufzulösen, die dich als Mama und Frau auf deinem Weg blockieren
  • deinem inneren Wissen und deiner Intuition zu vertrauen
  • neue Kraft zu schöpfen, indem du herausfindest was dir am meisten Kraft kostet
  • zu erfahren, was genau dich als Mama UND als Frau ausmacht
  • dich inspirieren zu lassen und neue Leichtigkeit für deinen Alltag mitzunehmen

 

All das geschieht in

·       kleinen Gruppen von max. 5 Frauen

·       in einem wertschätzenden und respektvollen Umgang, in dem es keine gegenseitige Bewertung gibt

·       in einem Rahmen, in dem es keine Tabus geben muss, weil alle voneinander lernen dürfen

·       im Austausch miteinander

·       abends, ohne Kinder und in gemütlicher Atmosphäre

·       in 3 Modulen, die du unabhängig voneinander besuchen kannst: MasterMum Expect, MasterMum Experience, MasterMum Expert

 

Schau gut auf dich, nimm dich wichtig,  tu, was dir gut tut und lass dir helfen –  das möchte ich wirklich allen Mamas von Herzen mitgeben!

1 Kommentar zu “Wut. Warum große Gefühle wichtig sind und was sie dir als Mama zeigen.

  1. Irene Knapp

    Ein sehr wertvoller Text! Danke

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