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Kinder trösten und begleiten | 20 Alternativen zu „Ist ja nichts passiert.“ Erziehung bindungsorientiert leben

Zuletzt aktualisiert am 25. September 2018 um 21:26

Es ist die fast immer die selbe Szene: Abschied, Wut, Trauer, Zorn, .. große Gefühle über etwas oder eine Tatsache, die wir im Moment nicht ändern können.

Wir können große Gefühle nicht auf uns nehmen. Nur einfach da sein. Erziehung bindungsorientiert.

Überforderung und übermannende Gefühle sind einfach da. Es liegt an uns, wie wir damit umgehen. Weinen und Schreien von Babies und Kleinkindern tut uns oft so weh, dass wir es stoppen wollen.

Mit Schnuller, Busen, Flasche oder Essen.

Dabei sind es Gefühle, wie Angst, Einsamkeit, Unsicherheit … die man als kleiner Mensch einfach nicht einordnen kann.

Lass das Baby erzählen.

Das soll eine Ermunterung sein, Babys schreien zu lassen, wenn sie diesen Kanal brauchen. Es ist viele Monate die einzige Möglichkeit, sich „verbal“ mitzuteilen. Ein schnelles ständiges „shhshhshh“ oder stillen, Schnuller / Flasche geben ist zwar oft bequem, aber nicht immer das, was ein Baby braucht. Energisches Rütteln am Kinderwagen, das Schaukeln der Babyschale, während dem Baby der Schnuller ins Gesicht gedrückt wird, begleitet von „shhhhh-enden“ Tönen suggeriert nicht gerade die volle Anteilnahme an dem Gefühl, das das Baby gerade durchlebt.

Anmerkung: Mit „schreien lassen“ meine ich es zu halten, zu berühren, zu tragen, bei ihm zu sein und ihm die Geborgenheit und Nähe zu geben, die es braucht – aber eben auch „erzählen“ lassen, ohne sofort alle Register zu ziehen. Du kennst dein Kind am besten…

Was, wenn das Baby nur Nähe braucht, unangenehm liegt oder einfach nicht „abgelegt“ sein will?

Es ist sicher nicht immer einfach, mit brüllenden Baby in der Öffentlichkeit, im Zug oder in einem Geschäft, aber ganz ehrlich, auf diese paar Minuten kommt es nicht an. Wir Mamas sollten ausserdem viel öfter die Kommentare anderer und denen von Passanten und Wichtigtuern einfach ausblenden.

erziehung bindungsorientiert: Kinder trösten

Sei ganz bei dir und bei deinem Kind.

Sei bei dir selber und sei dir sicher, du kannst dein Kind nicht verwöhnen oder verhätscheln, nur weil du ihm und seinem Anliegen Gehör schenkst. Du baust dadurch wertvolle Nähe und Bindung auf. Dein Kind vertraut dir zu 100% und wird das auch weiterhin immer machen, wenn es sich sicher ist, auch mit „Kleinigkeiten“ gehört zu werden.

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Wenn das Baby kein Baby mehr ist und es täglich selbständiger wird, kommen die Wunsch- und Bedürfnis-Äusserungen noch klarer und wehementer zu Tage: Die sogenannte Trotz- oder Autonomiephase ist mit Sicherheit eine Herausforderung für alle Beteiligten.

Aber wieder geht es oft darum, gehört und gesehen zu werden und im „Schmerz“ nicht allein gelassen zu werden. Wenn der Teller fürs Frühstück nicht gelb sondern rosa ist, kann das die Welt ordentlich ins Wanken bringen – auch unsere, denn die „Kleinigkeit“ sorgt dafür, dass sich der knappe Zeitplan nicht einhalten lässt. … Oder die Trauer über das Verlassen des Spielplatzes, wo es doch gerade so schön ist.

Wenn wir es schaffen, diese Alltags-Situationen zu begleiten, ohne unsere Kinder bei zu erniedrigen, unserer Macht in Form von Drohungen Ausdruck zu verleihen oder ihre -in dem Moment- riesigen Dramen ungehört herunterzuspielen, dann haben wir viel geleistet. Dabei geht es nicht darum, schnell für Ruhe zu sorgen, sondern den sogenannten „gesunden Konflikt“ mit dem Kind zu durchleben. Abschied, Trauer, Wut, Zorn gehören zum Leben dazu und es ist immens wichtig, diese Gefühle zu kennen. Sie erlebt zu haben und damit umzugehen legt einen Grundstein dafür, wie wir unser Leben später in emotionalen Lagen erleben.

Hör dazu den MAMA-COACHING-Podcast: „Der gesunde Konflikt“

Es ist also massiv kontraproduktiv, wenn mitleidige Menschen dem zornigen Kind an der Supermarktkassa den Lutscher kaufen, den die „böse“ Mama verweigert…

Vertrau auf deinen Instinkt und sei bei dir und deinem Kind, wenn es die Situation erfordert.

„Es ist ja nichts passiert.“

Nicht nur Konflikte brauchen Begleitung auch die „kleinen Dramen des Alltags“ dürfen sein: Knie aufgeschürft, Kopf gestossen, Zeichnung unabsichtlich zerrissen – Situationen, die ein Kleinkind massiv aus der Ruhe bringen können. Und ja, im Endeffekt kann man als Erwachsener schnell die Situation abschätzen und oftmals erkennen, dass gottseidank nicht viel passiert ist.

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Für das Kind ist es aber dennoch viel: Es ist gefallen, gestürzt oder seine Mühe war umsonst. Schmerz, Wut, Trauer – da kommt plötzlich ganz viel hoch!

Sei da für dein Kind und lass es weinen, lass dir erzählen, was PASSIERT IST! Tröste, begleite. SEI EINFACH DA.

20 Alternativen zu „Ist ja nichts passiert….!“  – Kinder ernst nehmen und trösten.

ICH BIN HIER.

KOMM ZU MIR, WENN DU TROST / HILFE BRAUCHST.

ICH SEHE, WIE DURCHEINANDER DU BIST.

ICH WEISS, ES IST NICHT EINFACH.

ICH BIN DA.

ICH HÖRE DICH.

ICH SEHE DICH.

ES GIBT NICHTS WICHTIGERES, ALS BEI DIR ZU SEIN.

DU BIST SICHER.

DU HAST DAS … UNBEDINGT GEWOLLT, ICH WEISS DAS.

DA HAST DU DICH JETZT RICHTIG ERSCHRECKT.

LASS MICH SCHAUEN, WAS PASSIERT IST.

ICH KOMME SPÄTER SICHER ZURÜCK.

DA IST WER, DER AUF DICH SCHAUT.

ICH BIN SICHER, ES WIRD DIR HIER GUT GEHEN.

ICH SEHE, DU BIST WÜTEND / TRAURIG / ENTTÄUSCHT.

KOMM, WIR SCHAUEN ZUSAMMEN, OB PAPA / OMA / MAMA SCHON KOMMT.

ICH SEHE, DASS DIR DER ABSCHIED SCHWERFÄLLT.

ICH WEISS, DASS DU JETZT EIS WILLST, DER LADEN HAT ABER SCHON ZU.

ICH SEHE, DU BIST MITTEN IM SPIEL, ES IST ABER NOTWENDIG, DASS WIR JETZT GEHEN / INS AUTO STEIGEN / UNS ANZIEHEN.

KOMM, WIR SCHAUEN, OB WIR ES GEMEINSAM BAUEN / MALEN / MACHEN KÖNNEN.

Schau dir die Alternativen immer wieder an und merk sie dir für später:

kinder troesten pinterest 2018

 

 

 

 

9 Kommentare zu “Kinder trösten und begleiten | 20 Alternativen zu „Ist ja nichts passiert.“ Erziehung bindungsorientiert leben

  1. Liebe Daniela
    Ich kenne das zu gut. Meist sage ich zu meiner Tochter ‚Das hat bestimmt ganz schön weh getan‘ und lasse sie in meinen Armen kuscheln. Schwierig finde ich nur, dass alle anderen (Ehemann, Oma Opa, Kita) diese ‚istdochnixpassiert‘ Platte abspielen. Das tut mir immer leid für die Kleine. Wie siehst du das?
    Viele Grüße

    • Das ist immer schwer. Unter Umständen kann man in einer guten Minute das Gespräch suchen und das eigene Verhalten erklären, zumindest dem Ehemann. Andernfalls ist es wichtig, dass das Kind sich zumindest von DIR immer ernst- und wahrgenommen fühlt, denn es muss ohnehin lernen, dass es Unterschiede gibt und Menschen immer wieder anders reagieren. Die Basis, die du bietest, gibt eine verlässliche Grundlage, auf die das Kind vertraut und so auch mit weniger schönen Erfahrungen umgehen kann. Wenn sie dann das erste Mal erwidert: „Doch, mir ist etwas passiert!!!“ dann weißt du, was ich meine 😉

  2. Hallo,
    Ich frage mich oft, ob es in solchen Fällen wichtig ist konsequent zu bleiben? Am einen Tag macht es mir vielleicht gar nichts aus, den gelben Teller auch noch aus der Küche zu holen, an einem anderen aber schon. Verwirre ich mein Kind, wenn es hier täglich andere Reaktionen bekommt? Bleibt vielleicht das Gefühl das in solchen Fällen völlig wahllos entschieden wird, je nachdem wie es den Erwachsenen gerade passt?
    Und ist es in Ordnung meine Meinung Inhalb eines Konfliktes zu ändern? Vielleicht merke ich erst durch den Konflikt, wie wichtig der Wunsch gerade für das Kind ist, oder bleibt dann nur die Erfahrung, umso lauter ich schreie, desto wahrscheinlicher ist es, dass mein Wunsch erfüllt wird?
    Liebe Grüße

    • Daniela

      Es hängt sehr von der Situation ab.
      Aber stell dir die Frage: „Ist es wirklich wichtig für mich?“ und wenn es ein „JA!“ ist, dann bleib dabei und richte dich nich nach deinem Kind. Sei klar in der Sprache und sprich in „Ich-Botschaften“. So kommt es nicht anschuldigend rüber. Es wird auch immer wieder Situationen geben, die deinem Kind nicht gefallen und du aber einfach nicht anders kannst. Diese Frustration (siehe Mama-Coaching „der gesunde Konflikt“) wird es aushalten und es wird daran wachsen, wenn es begleitet wird.

      In anderen Fällen kannst du dich fragen, ob es dir wichtig ist und wenn es für dich keinen Unterschied macht, welche Farbe der Teller heute (nicht) haben soll, dann erfülle ihm doch diesen Wunsch.
      Selbstverständlich ist es ok, seine Meinung zu ändern. Es ist auch gut, sich Bedenkzeit zu erbeten: „ich kann dir das jetzt noch nicht sagen, gibt mir 5 Minuten / Stunden /…, dann reden wir nochmal darüber!“ – So bleibst du authentisch und Dein Kind lernt, dass es menschlich und ok ist, nicht alles sofort wissen zu müssen. Aber halte Dein Wort.
      Das gute daran ist, das wir genau in diesen Situationen IMMER Vorbilder sind. So wie wir mit herausfordernden Situationen umgehen und mit unseren eigenen Gefühlen, so geben wir das auch weiter.
      Wenn ich schreie / lauter werde, dann sage ich oft nacher warum. Ich erkläre in kurzen und klaren Sätzen, was mich so wütend gemacht hat.

      GLG Daniela

      • Danke deine Antwort hilft mir weiter, ich werde versuchen das so umzusetzen!
        Lg Maren

  3. Danke für diesen wundervollen Artikel, Daniela!

  4. Liebe Daniela, danke für diesen aufschlussreichen Artikel zu dem Thema. Ich bin auch immer etwas unschlüssig, wie ich es handhaben würde. Aber Du hast das schön beschrieben und ich glaube, mit diesem Weg fährt man sehr gut.
    Wir haben auf dem Blog auch einen Artikel zu dem Thema veröffentlicht, vielleicht magst Du ihn Dir ja mal anschauen:
    https://www.regenbogenkreis.de/blog/inspiration/wir-wollen-gehoert-und-gesehen-werden

    Liebe Grüße,
    Eva

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