Freitagsgeschichten

Unser Haustier | FREITAGSGESCHICHTEN

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HIER SCHREIBT ALVA. EHRLICH UND ECHT – AUS DEM LEBEN MIT KINDERN & MIT DEM NÖTIGEN SCHUSS HUMOR:

Wir haben neuerdings einen Hund. Und er ist unsichtbar.

Meine Kinder hätten gerne einen Hund. Schon ewig. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass ich den Haustierwunsch in Form von zwei Meerschweinchen erfüllt habe. Diese werden phasenweise dann wie Hunde behandelt. Das sieht dann in etwa so aus, dass die drei Mädis um die Tiere herumsitzen und versuchen ihnen apportieren zu lernen und mit ihnen Ball zu spielen. Die Schweinchen sind von diesem Unterfangen immer völlig unbeeindruckt. Und das einzige was sie mit dem Ball gerne machen würden ist ihn verspeisen.

Nun hab ich aber beim Thema Hund noch die Worte meiner Eltern im Ohr: „Wer kümmert sich denn dann um den Hund? Wer geht mit ihm Gassi, wenn es regnet?“ Und natürlich höre ich mich darauf mit Inbrunst antworten: „Ich, ich mach das alles!! Für immer! Ich verspreche es!“ Und meine Kinder haben exakt die selben Worte in ihrem Repertoire.

Gut, meine Eltern sind darauf reingefallen und wir hatten dann gleich mehrere Hunde. Hintereinander. Immer aus dem Tierheim und immer sehr alt. Aber eigentlich hatten wir alle bis auf den ersten, weil sie selber auf den Hund gekommen waren. Es ist nicht so, als hätte ich die Hunde nicht geliebt. Und morgens bin ich auch sehr gerne mit ihnen spazieren gegangen. Aber später, als ich dann etwas älter wurde, wurden dann doch andere Themen für mich präsenter. Ausgehen. Jungs. Pubertät. Herumzicken.

Zum Glück war da mein Opa, der im Haus wohnte, schon so verschossen in die Hunde, dass er das Spazierengehen mit Freude übernommen hat.

Und weil ich diese Szenarien alle kenne, und drei Mädchen habe, vor denen die Pubertät auch nicht halt machen wird, will ich keinen Hund.

Der dann ja mir bleibt. Für lang.

Nur manchmal denk ich mir, dass es ja jetzt anders wäre mit dem Hund. Denn ich hab drei Kinder. Die Spontanität übers Wochenende nach Las Vegas zu fliegen ist ohnehin schon dezent eingeschränkt. Und so ein kleiner Hund im Haus…Aber ich bin standhaft.

Dafür haben meine Kinder nun beschlossen einfach so zu tun, als hätten wir schon einen Hund. Einen unsichtbaren. Ja, sie sind kreativ. Fluffy der kleine braune, wuschelige Hund mit der rosa Masche, hab ich mir sagen lassen, ist ein ganz lieber. Nicht immer folgsam, aber sehr verspielt. Und die Kinder lieben ihn. Sie gehen tatsächlich morgens in Schule und Kindergarten und tun so als ob Fluffy neben ihnen wäre. Sogar Sackerl fürs Gackerl haben sie mit.

Anfangs fand ich es lustig, aber ich muss sagen, je länger diese Phase dauert, desto mehr irritiert mich dieses unsichtbare Haustiergehabe. Und viele Fragen tauchen auf. Wie lange wird Fluffy nun bei uns bleiben? Bekommen meinen Kinder einen nachhaltigen Knacks, wenn sie sich alle drei dasselbe imaginäre Haustier teilen müssen? Wie sehen uns neuerdings die Nachbarn?

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Ich hab einmal zu meinen Mädis gesagt, dass ein Hund nur in unser Haus kommen würde, wenn er irgendwo angeleint sitzt und nachweislich keinen Besitzer hat.

Meine große Tochter ist klug. Ich hab unlängst ein Gespräch mit der Jüngeren belauscht in denen die Sätze gefallen sind: “Wir bräuchten halt jemanden der ihn aus dem Tierheim holt und gegenüber vom Haus anleint. Um den Zettel, dass er herrenlos ist, könnt ich mich schon kümmern.“

Ich fand das sehr lustig und bemerkte eines. So absolut dagegen einen Hund zu haben war ich offensichtlich nicht mehr. Aber mein Mann. Der hat sich schon bei den Meerschweinchen mit Händen und Füßen gewehrt. Im Endeffekt erfolglos, wie wir wissen.

Wenn ich vielleicht erwähnen würde, dass ich gerne noch ein Familienmitglied hätte. Und es dann abschwächen würde, indem ich einen Hund erwähne..… Zeitgleich müsste meine Tochter das mit dem Tierheim organisieren. Und den Zettel? Na den könnte ja ich auch schreiben. Meine Handschrift lässt sich leichter tarnen. Ja! So machen wir es;-)

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Die entzückende Illustration stammt aus der Feder von Susanne Binder.

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