„Mama, muss ein Tier sterben, wenn ich Fleisch esse?“ – Was tun, wenn Kinder den Fleischkonsum kritisch betrachten.

Mein Kind will kein Fleisch mehr - was tun?

Vor einigen Monaten ist es losgegangen: Meine große Tochter hat angefangen, beim Essen nachzufragen: „Was ist das?“, „Wo kommt das her?“, „Welches Fleisch ist das?“ und dann kam sie, die Frage der Fragen: „Muss ein Tier sterben, wenn ich das Schnitzel esse?“. Buh, keine leichte Kost habe ich mir gedacht. Aber ich hab ihr eine ehrliche Antwort gegeben: „Ja, wenn wir Fleisch essen, dann stirbt dafür ein Tier.“

Und jetzt? Die Antwort hat sie erstmal hingenommen und Fleisch isst sie auch weiterhin aber für mich sind diese Fragen Grund genug, um mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Deshalb hab ich mir angeschaut, woher solche Fragen kommen, wie man am besten damit umgeht und was man tun kann, wenn die eigenen Kinder wirklich entscheiden, dass sie kein Fleisch mehr essen wollen.

Fragen über Fragen

Meine Tochter ist jetzt fünfeinhalb Jahre alt und in den letzten zwei Jahren haben wir unzählige Fragen verschiedenster Natur beantwortet. Vom bekannten „Warum?“ bis zum „Wie lange dauert es noch?“ war alles dabei. Schenkt man dem Internet glauben, stellen 4-jährige Kinder an einem Tag durchschnittlich über 400 Fragen. Jetzt ist unsere Große ein Vorschulkind und es ist faszinierend, wie komplex die Fragestellungen schon sind und welche Gedanken sich die Kinder in so jungen Jahren schon machen. So auch beim Thema Ernährung und Fleischkonsum.

Flesichkonsum bei Kindern

Als das Thema bei uns das erste Mal aufgetaucht ist, habe ich mich gefragt: Wie war das eigentlich bei uns? Haben wir als Kinder den Fleischkonsum auch hinterfragt? Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern bzw. weiß ich nur noch, dass ich Hasenfleisch nicht essen wollte, weil wir lange Zeit selber kleine Hasen hatten und mir das sehr merkwürdig erschien. Aber bei Schnitzel, Würstchen und co. Habe ich mir nie etwas gedacht. Wie kommt es also dass unsere Kinder sich solche Gedanken schon so früh machen?

Verschiedene Ernährungsformen gehören zum Alltag

Meine Antwort auf diese Frage ist, dass Kinder schon viel früher mit dem Thema konfrontiert werden. So gibt es schon im Kindergarten Kinder, die das „Veggie“- Menü zu Mittag essen bzw. gibt es überhaupt eine vegetarische Menü-Option. Allein das, stößt die Kinder schon zum Nachdenken an und führt zu Fragen. Warum isst meine Freundin kein Fleisch? Warum essen wir Fleisch? Müssen dafür Tiere sterben? etc.

Außerdem sind alternative Ernährungsformen viel mehr im Alltag angekommen als noch vor 20-30 Jahren. Laut Statista leben 2023 rund 10 Prozent der deutschen Bevölkerung vegetarisch, in Österreich waren es Statista zur Folge 2021 ebenfalls um die 11 Prozent. Es gibt auch in den Supermärkten immer mehr Alternativen und somit wird auch das Thema immer präsenter. Der deutsche Markt ist dabei im weltweiten Vergleich ganz vorne mit dabei, wenn es um die Einführung neuer vegetarischer und veganer Produkte geht.

Ehrlichkeit gewinnt

Nachdem wir jetzt eine Idee bekommen haben, wo die Fragen herkommen geht es jetzt darum, Antworten zu finden. Ich persönlich habe für mich folgenden Weg gewählt, mit den Fragen meiner Tochter umzugehen: Ich versuche auf all ihre Fragen ehrliche, kindgerechte Antworten zu finden. Das sieht bei uns in etwa so aus:

FrageAntwort
„Müssen Tiere sterben, wenn ich Fleisch esse?“.„Ja, wenn wir Fleisch essen, dann sterben Tiere.“
„Warum essen wir dann Fleisch?“„Weil die Nährstoffe im Fleisch wichtig für unseren Körper sind.“
„Aber sind die Tiere nicht auch wichtig?“„Doch, auch die Tiere sind wichtig und deshalb achten wir darauf, dass wir Fleisch kaufen, dass von Tieren stammt, die ein möglichst gutes Leben hatten – also Fleisch in Bio Qualität!“
„Gibt es denn keine andere Möglichkeit an die wichtigen Nährstoffe zu kommen?“„Doch, es gibt auch Alternativen, wenn wir kein Fleisch essen, dann müssen wir andere Lebensmittel wie Hülsenfrüchte oder Vollkornbrot essen, um genügend Nährstoffe zu bekommen und gesund zu bleiben.“

Was bei solchen Gesprächen auf jeden Fall auch helfen kann, sind Kinderbücher. Gerade zum Thema Ernährung kann ich das Buch „Wo kommt unser Essen her?“ sehr empfehlen. Darin wird für ausgewählte Lebensmittel kindgerecht erklärt, wo sie herkommen und wie sie produziert werden. Dabei werden immer die Produktion im Kleinbetrieb mit der industriellen Herstellung gegenübergestellt. Laut offizieller Angabe wird das Buch ab 6 empfohlen. Ich schaue es mir mit meiner Tochter immer wieder an seit sie 4 ist.

wo kommt unser essen her

Fleisch, nein danke!

Und was, wenn die Kleinen dann tatsächlich beschließen, kein Fleisch mehr zu essen? Bei uns ist das wie gesagt nicht der Fall, aber wenn meine Tochter beschließen würde, dass sie das Fleisch nicht essen mag, weil sie nicht will, dass Tiere sterben, dann würde ich ihr erklären, dass das in Ordnung ist. Und ich würde gemeinsam nach Alternativen suchen. Hier noch fünf Tipps, die in der Situation helfen können:

Tipp 1: Das Kind ernst nehmen!

Die Entscheidung, kein Fleisch mehr zu essen, kann aus verschiedenen Gründen getroffen werden. Zum einen kann es das Mitleid mit den Tieren sein oder vielleicht die Sorge um die Umwelt. Oder das Kind mag den Geschmack bzw. die Konsistenz vom Fleisch nicht. Auf jeden Fall sollte man das Gespräch suchen, nachfragen und das Kind ernst nehmen. Gerade im Vorschulalter können sich schon tolle Gespräche entwickeln zu wichtigen Themen wie achtsamer Umgang mit Ressourcen etc. Der kindliche Blick auf die Dinge ist oft auch für uns Erwachsenen spannend, interessant und Augen öffnend.

Tipp 2: Gemeinsam Wissen sammeln!

Macht euch gemeinsam mit euren Kindern auf, um mehr über die Herkunft von Fleisch und die Auswirkungen auf die Umwelt zu erfahren. Das kann beim gemeinsamen Bücher lesen (Buchtipp siehe oben) passieren oder wie wäre es mit einem Besuch auf einem Bauernhof? So können die Kids eigene Erfahrungen sammeln und mit eigenen Augen sehen, wie Tierhaltung funktionieren kann.

bauernhof ausflug 1

Tipp 3: Alternativen entdecken!

Wenn das Kind kein Fleisch mehr essen möchte, ist es wichtig, sicherzustellen, dass es dennoch ausgewogen und gesund isst. Gerade Eisen ist ein wichtiges Thema. Denn Eisen aus tierischer Nahrung kann vom Körper besser verwertet werden als aus pflanzlichen Lebensmitteln. Aber es gibt Alternativen: pflanzliche Proteinquellen wie Tofu, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen. Diese Lebensmittel sind nicht nur gesund, sondern auch umweltfreundlicher und außerdem können sie auf vielfältige Art und Weise zubereitet werden und schmecken ganz toll!

Tipp 4: Zusammen kochen!

Da wären wir schon beim nächsten Tipp: Macht Ernährung und Essen zum gemeinsamen Abenteuer, indem ihr zusammen mit eurem Kind kocht. So können neue vegetarische Gerichte ausprobiert und das Bewusstsein für gesunde Ernährung gefördert werden. Vielleicht möchten die Kinder auch selbst kreativ sein und eigene Rezepte entwickeln!

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Tipp 5: Die Entscheidung des Kindes akzeptieren!

Schließlich ist es wichtig zu akzeptieren, dass das Kind bis zu einem gewissen Maß seine eigenen Entscheidungen trifft. Vielleicht ist es ja nur eine vorübergehende Phase, aber trotzdem ist es wichtig, das Kind zu unterstützen und zu respektieren. Ernährung und Essen ist nämlich ein sehr sensibles Thema. Dabei sollte kein Zwang oder Druck ausgeübt werden, damit Kinder ein gesundes Verhältnis zum Essen entwicklen. Für uns Eltern ist es oft eine Gratwanderung zwischen dem Anspruch den Kindern auf Augenhöhe zu begegnen und sie und ihre Entscheidungen ernst zu nehmen auf der einen Seite und der Verantwortung, für eine gesunde Ernährung zu sorgen auf der anderen Seite. Geduld, Kreativität beim Kochen und viele Gespräche können helfen hier einen guten Weg zu finden.

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