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50 Shades of Toiletten | FREITAGSGESCHICHTEN

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HIER SCHREIBT ALVA. EHRLICH UND ECHT – AUS DEM LEBEN MIT KINDERN & MIT DEM NÖTIGEN SCHUSS HUMOR:

Ich war in den letzten 10 Jahren sicherlich mehr als 60.200 mal auf der Toilette. Das ist vermutlich dreimal so viel wie der durchschnittliche Österreicher. Dieser Tatsache liegt aber nicht zu Grunde, dass ich eine schwache Blase oder einen vermehrten Harndrang besitze, sondern daran dass ich drei kleine Kinder habe.

Ich schwöre, in jedem Lokal, das ich den letzten Jahre betreten und in dem ich mehr als 30 Minuten mit meinen Kindern verbracht habe, war ich mindestens sechs Mal am Klo. Und musste davon höchstens einmal selbst.

Der Klassiker sieht so aus:

Meine Kinder müssen selbstverständlich zeitversetzt auf die Toilette. Auch wenn ich die Drei frage, ob sie denn nicht gleich ALLE JETZT mit mir mitgehen wollen, hilft das nicht. Weil zwei justament jetzt nicht müssen.

Und manchmal ergibt es sich, dass ich mit dem Mittelmädi von der Toilette zurück an den Tisch komme, um mein mittlerweile erkaltetes Essen fortzusetzen, da muss Kleinmädi plötzlich gaaaaaanz dringend.

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Während ich dann die nächste, freie Toilette inspiziere und säubere, um dann auf mein kleines Mädi zu warten, kann ich mir ausrechnen, dass zwischenzeitlich nun auch die Größte muss. Und sie würde natürlich alleine, aber weiß nicht wohin…und ich war ja schon und kenne den Weg.

Und wenn man in den Kellern muss, dann wäre es ihr doch sowieso bitte viel lieber wenn….

Und manchmal, und das ist gar nicht so selten, fällt der Kleinen, wenn ich an meinen Platz zurückkehre, ein, dass sie noch einmal muss. „Aber eeeeecht!“ Oder in irgendetwas gegriffen hat und zumindest ihre Hände abspülen muss.

Also opfere ich wieder meinen bequemen Platz (ich denke zumindest, dass er bequem wäre, wenn ich ihn für fünf Minuten oder länger benutzen dürfte) und stehe erneut auf kalten Fliesen herum. Manchmal betrachte ich dabei im wunderschön grell ausgeleuchteten Vorraum die Fliesen, die tropfenden Seifen oder kaputten Handtuchhalter.

Wenn man so viel Zeit auf fremden Toiletten verbringt, kann man diese genauestens betrachten. Das hat schon oft dazu geführt, dass ich das Lokal beim nächsten Vorschlag strikt verweigerte, auch wenn das Essen noch so gut war. Wenn ich dazwischen insgesamt mehr als 35 Minuten in einem möglicherweise dreckigen und äußerst unsympathischen Kammerl mit defekter Toillettenspülung verbringe, an dem es weder die Möglichkeit einer Seife noch eines Papierhandtuchs gibt, um den entstandenen Ekel wenigstens ein wenig wegzuwaschen, dann darf ich wohl von meinem Vetorecht Gebrauch machen. Verständnis ernte ich dafür nicht. Klarerweise. Es soll ja Personen geben, die ein Lokal verlassen, ohne auch nur einmal zuvor den Tisch verlassen zu haben.

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Manchmal, aber nur manchmal ist es auch umgekehrt. Und die Toilette so geräumig und hübsch, dass ich es richtig genieße, vom überfüllten Gastgarten, an dem mich nun schon zum dritten Mal der Gast vom Nebentisch ob der spielenden Kinder genervt angepöbelt hat, zu flüchten. Das äußert sich dadurch, dass ich meine Kinder dann abwechselnd frage: „Musst du denn heute gar nicht aufs Klo?“ Irgendwann bei so einer Aktion antwortete mir meine Große: „Nein, aber du bist wirklich alt genug, um alleine zu gehen.“

Die bis jetzt verbrachte Minutenanzahl liegt schätzungsweise bei 361.200. Also wenn jemand Tipps zur optimalen WC-Gestaltung benötigt: Ich hätte eine Menge. Ob sich daraus wohl ein berufliches Standbein machen ließe?

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Die entzückende Illustration stammt aus der Feder von Susanne Binder.

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