Haustiere für Kinder | Eine wichtige Entscheidung zusammen treffen

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Ich war gerade fünf geworden, als ich an einem Sonntag wie jeden anderen mit meiner Oma in die Kirche ging. Am Heimweg durfte ich wie immer hinter dem Dorfgasthaus beim Kaugummi-Automat stehenbleiben und eine Münze von Oma einwerfen. Ich steckte sie rein, drehte mit aller Kraft am leicht klemmenden Hebel und freute mich unglaublich auf die pickig-süße bunte Kaugummikugel. Da bekam ich plötzlich eine Rempler von hinten und wurde fast umgestoßen. Barry, der große, alte Bernhardiner, der zum Gasthaus gehörte, freute sich sehr überschwenglich über meine Anwesenheit. Auch nicht ungewöhnlich, ich kannte ihn. Aber so nahe wie dieses Mal war er mir nie gekommen und er leckte mich im Gesicht und am Hals ab, ehe ich zurückweichen konnte. Oma kam sofort, half mir den Kaugummi aus dem Automat zu holen und wir gingen heim. Sie sagte mir, sie sei froh, dass mir nichts passiert ist und Barry ein gutmütiger alter Hund sei. Bis wir daheim ankamen, hatte ich allerdings große rote Flecken dort, wo der Hund mich erwischt hatte und ich musste dauernd husten. Das ging die ganze Nacht so weiter und der Husten ließ sich nicht beruhigen. Meine Eltern gingen mit mir zum Arzt und nach einigen Untersuchungen bestätigte sich der Verdacht leider: Tierhaar-Allergie. Was folgte, waren zwei Krankenhausaufenthalte und jahrelange medikamentöse Behandlung…… das ist nun 35 Jahre her. Heute habe ich meine Allergie auf Tierhaare gut im Griff und kann mich im Notfall rasch selbst behandeln. Leider hat auch unsere große Tochter die Allergieneigung mitbekommen und reagiert vor allem auf Katzen sehr stark.

Erlebnisse wie die Allergie-Attacken sind einprägsam und dafür verantwortlich, dass ich mich weitestgehend von Haustieren fernhalte. Die Kinder sehen das naturgemäß anders, sie haben noch eine vertraute Basis und eine unsichtbare Verbindung zu Tieren. das ist wundervoll zu beobachten. Streicheln, spielen, sich über Gestik und einfache Laute mit dem Tier zu verständigen scheinen nahezu mühelos zu passieren.

„Mama, ich will einen Hund!“

Wir Eltern kennen diese bittende Aussage wohl alle! Ob Hund, Katze oder Meerschweinchen, der Wunsch nach einem lebendigen (Kuschel)Tier ist wahrscheinlich bei jedem Kind mal da. Auch bei uns sind Haustiere immer wieder Gesprächs- und Diskussionsthema und momentan hat der Wunsch nach einem Hund einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Ich nehme den Wunsch der Kinder sehr ernst, wir sprechen viel darüber. Und dennoch ist es für uns momentan undenkbar, ein Tier in die Familie aufzunehmen. Einerseits ist es natürlich die bestehende Allergie bei mir und die Unsicherheit, wie sich die Gesundheit unserer Tochter weiter entwickelt. Anderseits finde ich es grausam und unverantwortlich, Tiere zu nehmen, wenn das Leben und der Alltag nicht zu 100% tiertauglich sind. Und das trifft meiner Meinung nach auf keine vollzeitbeschäftigte Stadtfamilie zu. Das Tier wäre womöglich stundenlang allein in der Wohnung. Ich kenne die Argumente der unterschiedlichen Hunderassen und der verschiedenen Charaktereigenschaften von (Wohnungskatzen), aber ich denke nicht, einem Tier und seinen Bedürfnissen gerecht werden zu können.

Hier noch auf Kleintiere und Nager einzugehen, finde ich nicht sinnvoll, diese sind als Kuschelfreunde komplett ungeeignet und müssen immer in Käfige oder eingezäunte Bereiche gesperrt werden. Sie dann zum Kuscheln aus dem Heu zu zerren und der innigen Liebe von Kleinkindern auszusetzen, halte ich schlichtweg für Tierquälerei. Das ist meine persönliche Meinung, ich kenne allerdings selber viele Familien, die als niederschwellige und relativ günstige Möglichkeit erst mal Meerschweinchen halten, um die Bereitschaft der Kinder, Verantwortung zu übernehmen, zu prüfen.

Statt Tiere in die Stadt zu verfrachten, halte ich es für besser, die freie Zeit und gemeinsame Urlaube auf Bauernhöfen zu verbringen, wo heimische Tiere in artgerechter Umgebung leben. Hier bekommen Kinder auch einen ungeschönten und echten Eindruck davon, wie Tiere leben, was sie brauchen und wie das Zusammenleben mit Menschen gut klappen kann. Viele Höfe bieten auch genau Erlebnisse dieser Art an: Wanderungen mit Alpakas, Reitkurse, Bauernhof-Tätigkeiten im Stall bis hin zu Falken, die sich bei ihren Flugshows beobachten lassen.

Viele Tiergärten und Zoos achten inzwischen auf tierfreundliche Haltung und artgerechte Umgebung und rüsten die Gehege großzügig nach. Das sind Tagesausflüge, die den Kindern viele schöne Stunden in der frischen Luft, Bewegung und Zeit mit Tieren bieten.

Die Entscheidung über ein Haustier treffen

Obwohl es wichtig ist, die Kinder auf Augenhöhe anzuhören, ihre Wünsche ernst zu nehmen und die Kommunikation mit Kindern so zu gestalten, dass sie sich ehrlich wahrgenommen fühlen, ist es unumgänglich in der Tierdiskussion die elterliche Führungsrolle klar zu vertreten. Die Entscheidung und die Verantwortung über ein neues Familienmitglied liegt bei den Erwachsenen. Wenn es also ein „Nein“ zum Tier ist, kann es trotzdem ein „Ja“ zum Kind sein.

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