Freitagsgeschichten

Das Häuserl im Wald | FREITAGSGESCHICHTEN

Der inhomogene und meist inkompatible Musikgeschmack in unserer Familie ist normalerweise kein Problem. Außer beim Autofahren. Da triften dann halt schon Welten aufeinander.

Der Hard-Chor – Fan. Eine Musikrichtung, mit der wir anderen vier nicht einmal im Ansatz etwas anfangen können. Die Teenie Musik – Liebhaberin. Auch schwer aushaltbar, wenn eine 9-jährige von den Exfreunden und von gebrochenen Herzen singt, aber das gefällt wenigstens hier 50%. Die Mittlere liebt Helene Fischer. Heleeene Fischer. Das kann nicht mein Kind sein. Und das Bild, wenn sie mit ihren 5 Jahren mit Leidenschaft vom Rücksitz „Herzbeben lass uns leben“ johlt, ist selbsterklärend.

Die Jüngste hatte bis vor kurzem das wenigste Mitspracherecht. Sie war schon froh, wenn auf Deutsch gesungen wurde und sie ein bisschen was verstand. Nun wurde sie sich ihrer eigenen Stimme und der damit verbundenen Durchschlagskraft bewusst und brüllte uns ihren Willen auf. Ich würde sagen ihrem Alter entsprechend: Heidi, Biene Maja und sämtliche Disneyballaden.

Mein Musikgeschmack ist nebensächlich. Er verhält sich wie mein Geschmack beim Essen. Unauffällig. Ich habe ihn vergessen. Ich glaube, ich mochte einmal Pop und auch Rock recht gerne. Das Radiogedudel stört mich ebenso wenig, wie die Kindermusik. Außer wenn ein Lied in der Dauerschleife hängt. Und nur sehr, sehr selten lege ich ein Vetorecht ein.

Doch unlängst kam mein Mann, wie oben erwähnt eingefleischter „Hard-Chor – Grölfan“, der sich nur gelegentlich auf musikalische Abwege begibt, mit einem Lied von Andreas Gabalier. Andreas Gabalieieieieieier!!!! Der fällt für mich unter die Kategorie nicht einmal „wenns schee mocht“ und kommt auf meiner Antipathie Skala noch deutlich vor Helene. Mein Mann spielte uns also das Lied vor, das mit „Do steht a Heiserl im Woid auf da Wiesn….“ begann und war fast zu Tränen gerührt. Von einem „Heiserl“ im Wald ist da die Rede, das niedergerissen wird und soooo viel erlebt hat. Ich hörte es mir aus Respekt meinem Mann gegenüber beim ersten Mal still bis zum Ende an. Nicht so die Kinder, die schrien: „Wäh! Wie fad! Furchtbar! Gib das weg!!“  Aber ich war nicht abgeneigt mitzuschreien. Doch ich tat es nicht. Auf die Frage, wie mir das Lied gefallen hatte, antwortete ich diplomatisch: „Hmmm. Ja. Eh.“

Aber als er es am nächsten Tag im Auto wieder spielen wollte, merkte ich an, dass ich das jetzt nicht hören wollte. Mein Mann ignorierte mich dezent und drehte das Lied auf. Ich drehte es ab. Er drehte es auf. Dann platze mir der Kragen und ich keifte: „Ich will dieses fürchterliche Lied jetzt wirklich nicht hören“. Mit diesen Worten machte ich dem Lied wieder den Garaus. Meine Kinder die den Streit, ohne dreinzuquatschen mit Interesse verfolgt hatten, starrten uns an. Die Mittlere drehte sich zur Großen und fragte: „Warum haben sie sich gestritten?“ Die Große antwortete: „Weil die Mama das langweilige Lied nicht hören wollte.“ „Welches denn?,“ hakte die Mittlere nach, worauf die Große meinte: „Na, das fade Lied vom Klo im Wald.“*

Nun hat das Lied für mich eine völlig andere Bedeutung und ich hab es mir freiwillig unter dem Aspekt, dass es sich um eine Toilette im Wald handelt, noch einmal angehört. Was soll ich sagen: es gefällt mir dadurch nicht besser, aber ich finde es jetzt wenigstens lustig.

*Anm: Bei uns in Österreich heisst die Toilette umgangsprachlich „Häusl“.

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