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Gastartikel: Vom Selbermachen zum Do it together!

GASTARTIKEL: Vom Selbermachen zum Do it together!

Das durchschnittliche Paar, das zu uns in die Praxis kommt, ist Mitte/Ende dreißig, hat zwei Kinder im Vor- bzw. Volksschulalter, beide sind berufstätig – und sie haben keinen Sex mehr. Sie sind Gefangene in dem Streit, welche Lebensanschauung bezüglich Kinder, Sex, Geld, Eltern die einzig richtige ist. Diese Paare brauchen von uns keinerlei Nachhilfe in „Do IT Yourself“, denn wenn wir fragen, ob sie Lust empfinden und diese auch befriedigen, bekommen wir als Antwort zumeist ein „Ja!“. Selbstbefriedigung und Bestätigung meines Richtig-Seins bedarf keiner Nachhilfe.

Was diesen Paaren verloren gegangen ist, oder was diese Paare noch gar nicht entwickelt hatten, ist die Kunst, der Kooperation, die Idee, dass wenn wir es gemeinsam tun, wenn wir uns aufeinander bedingungslos einlassen, unsere Beziehung ihr volles Potenzial entfalten kann.

Dieses Umdenken fällt vorallem vielen Frauen schwer, die von ihren Müttern eingetrichtert bekommen haben, dass Unabhängigkeit in der Beziehung oberste Priorität hat. Das ist historisch gesehen verständlich, und wir möchten hier unbedingt den Wert der Gleichberechtigung unterstreichen! Diese mütterliche Ermutigung hat jedoch Frauen hervorgebracht, die tatsächlich glauben, alles alleine zu schaffen. Nochmal: Gut, dass wir es notfalls könnten! Es ist jedoch neurologisch bewiesen und erforscht, dass wir Mühseliges als weniger anstrengend empfinden, wenn wir es gemeinsam mit einem guten Partner tun.

Wozu ermutigen wir also? Wir ermutigen zur Intimität, zum Auf-Einander-Enlassen. Wir ermutigen den Schritt zu wagen von Having Sex hin zu Making Love. Wir ermutigen den Weg von der puren Sensation hin zur Emotion zu gehen. Es ist einfach, sich auszuziehen und jemanden körperlich in dich reinzulassen. Viele Frauen denken beim Geschlechtsverkehr nicht an das, was sie gerade tun, sondern an das, was noch alles zu erledigen ist – hinterher, wenn es endlich vorbei ist. Das ist nicht Liebe machen – das ist abarbeiten. An dieser Stelle ist es vielleicht gut zu betonen, dass Männer Ihre Liebe tatsächlich mehr über den Körper ausdrücken als Frauen das tun. Der Männer arzt Dr. Pfau hat in seinem Buch Frauen dazu ermutigt, den Ständer des Partners doch als „Standing Ovations“ zu sehen. Ich stehe auf dich, ich begehre dich. Auch das Annehmen von Liebe ist schwerer, als „Do IT Yourself“!

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Sich in der Liebe ganz hinzugeben und den anderen auch in deine Seele schauen zu lassen – das ist Intimität und schafft Verbindung. Das ist nichts für Ängstliche! DenkenSie einmal drüber nach, wo Sie hinschauen, wenn es Ihnen kommt. Haben Sie die Augen offen oder geschlossen? Sehen Sie Ihrem Partner in die Augen? – Wagen Sie einmal folgendes Experiment und schauen Sie einander an, wenn es Ihnen kommt (bitte zeitlich hintereinander – nicht dem Mythos des gleichzeitigen Orgasmus verfallen). Erlauben Sie Ihrem Gegenüber sich lesen zu lassen? Wollen Sie überhaupt wissen, wie Ihr Partner ausschaut, wenn er kommt?

Der amerikanische Sexualtherapeut David Schnarch bezeichnet die Beziehung als größtes spirituelles Abenteuer unserer Zeit. Auf dieses kann man sich nur zu zweit einlassen. Und wer weiß, was herauskommt, wenn ich alles, was ich bin mit allem was du bist zusammenlege?

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Und so möchten wir mit einem Zitat von David Schnarch über Intimität enden:

„Ich kann nicht voraussetzen, dass du meine Sicht der Dinge teilst. Du bist nicht auf der Welt, um mich zu

bestätigen und mir zu sagen, dass ich alles richtig mache. Ich will aber, dass du mich liebst – und das geht

nur, wenn du mich wirklich kennst. Ich will nicht, dass du mich ablehnst – aber ich muss das riskieren, wenn ich mich bei dir wirklich angenommen und geborgen fühlen möchte. Es ist an der Zeit, mich dir so zu zeigen, wie ich bin und empfinde und mich der Tatsache zu stellen, dass ich ein von dir getrenntes, sterbliches Wesen bin. Eines Tages werden wir nicht mehr zusammen sein, und ich wünsche mir, dass du mich dann wirklich gekannt hast.“

(David Schnarch, Psychologie der sexuellen Leidenschaft, S.128/129)

 

Sandra Teml-Jetter & Stefan Jetter sind verheiratet, haben drei Kinder und eine Praxis in Wien für Einzel- und Paarcoaching sowie Elterncoaching und Sexualberatung. www.wertschaetzungszone.at

Die Artikel der Rubrik „Gäste“ werden von GastredakteurInnen verfasst, die voll für deren Inhalt verantwortlich sind. In diesem Fall bin ich lediglich die Moderatorin und leite gerne diverse Kommentare und/oder Fragen an die jeweilige AutorIn weiter. Daniela.

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