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Gastartikel: Die Doula

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DIE KLEINE BOTIN hat auch bei mir „vorbeigeschaut“! Einmal in Sachen „Geschwister(S)pass“ und jetzt in Sachen DOULA! Ob ich nicht etwas über die Doula schreiben kann! Doula?!

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Doula was? Doula wer?! Ja, noch nicht alle sind mit diesem Begriff vertraut: Eine Doula (sprich „Dula“) ist eine Geburtsbegleiterin! Ganz genau, sie begleitet dich durch die und während der ganzen Geburt hindurch, und nicht nur das: Auch in der Schwangerschaft und im Wochenbett ist sie für dich da – ganz nach deinen Wünschen. Hebamme ist sie allerdings keine. Die Hebamme ist Fachfrau. Die Doula ist Laiin. Aber nicht „ahnungslos“! Und sie ist ganz und gar keine neue Erfindung: Immer schon, in vielen Kulturen, zu vielen Zeiten war das Gebären Frauensache und wurden die werdenden Mütter, die Gebärenden nicht nur von ihren Hebammen, sondern auch von geburtserfahrenen Frauen begleitet.

Und diese Tradition will wiederbelebt werden. So hat es sich zumindest gezeigt – denn viele, die es erlebt haben, von einer anderen Mutter, einer anderen Frau, die schon geboren hat, liebevoll begleitet und betreut zu werden, können sich nichts anderes mehr vorstellen. Und Frauen, die anderen Frauen bei der Geburt eines Babys, diesem so besonderen, einzigartigen und im wahrsten Sinne des Wortes wunder-vollen Ereignis zur Seite gestanden sind, ihre Hand gehalten haben, ein offenes Ohr für Wünsche und Sorgen hatten, die Schulter zum Anlehnen in der Wehenpause waren und immer das richtige Wort gefunden haben, um die werdende Mama zu motivieren und ihr das Gefühl zu geben, (das) alles zu schaffen, können sich nichts anderes mehr vorstellen! Und so habe auch ich Feuer gefangen, ganz überraschend, unverhofft und entgegen (oder doch im Fluss?) meiner Lebensplanung. Da ich aber schon öfter über „meine“ besondere Doula-Geschichte erzählt habe, will ich diese – und euch, liebe Leserinnen und Leser – nicht „überstrapazieren“, besinne mich deshalb auf meinen erlernten Brotberuf zurück UND…. interviewe eine liebgewonnene Doula-Freundin, frage nach IHREM Antrieb, ihren Erlebnissen und Gedanken rund um die Doula-Idee!

Darf ich vorstellen? DORIS MOSER, 31 Jahre jung, 2-fache Mama, Kultur- und Sozialanthropologin, Buchautorin. Liebe Doris, wann und warum hat es denn dich „erwischt“?

Dass ich selbst Doula geworden bin, hängt vor allem mit der Krankenhausgeburt meiner ersten Tochter zusammen. Diese Geburtserfahrung war zwar nicht dramatisch, aber sehr traumatisierend für mich. Ich hab mich so allein und hilflos gefühlt. Später bin ich dann über einen Artikel zum Thema Doula gestolpert und war begeistert! Da wurde genau das beschrieben, was ich mir eigentlich von meiner Hebamme erwartet hätte: Unterstützung und Beistand. Ich weiß, dass viele Hebammen sehr engagiert sind und sich rührend um die ihnen anvertrauten Frauen kümmern, aber „meine“ Hebamme hat das damals für mich nicht gemacht. Wahrscheinlich hatte ich Pech, aber diese Erfahrung war ausschlaggebend dafür, dass in mir der Wunsch gereift ist, selbst Doula zu werden, um anderen Frauen auf ihrem Weg in die Mutterschaft beistehen zu können und sie mit all dem zu umsorgen, was ich bei meiner ersten Geburt so schmerzlich vermisst habe.

Wie ging´s dann weiter und wann hast du deine erste Geburt begleitet?

Ich hab mich dann zum Doula-Training angemeldet. Das war 2009. Dort konnte ich einerseits durch viel Selbstreflexion mein eigenes Geburtserlebnis aufarbeiten und andererseits konnte ich mir ganz viel an Wissen und Erfahrung rund um die Themen Schwangerschaft, Geburt und auch Wochenbett aneignen. Das ist im Kontakt mit den Frauen ein sehr wertvoller Schatz. Noch während der Ausbildung habe ich dann auch meine erste Geburt begleitet. Das war natürlich ein tolles Erlebnis für mich! Und auch die junge Mutter war sehr dankbar, dass ich für sie da war, denn vom Vater des Kindes hatte sie sich schon ganz früh in der Schwangerschaft getrennt. Gemeinsam mit der Hebamme und einer jungen Ärztin ist dieses kleine Mädchen also in einen Kreis aus Frauen hineingeboren worden. Das war sehr schön! Als ich mich dann ganz zeitig am Morgen auf den Heimweg gemacht habe, hab ich so für mich gedacht: Ja, das ist es! Das will ich machen!

Wie würdest du das nun genau beschreiben, was eine Doula macht? Was macht diese Betreuung so wertvoll für die werdende Mama?

Also an erster Stelle steht für mich, dass die werdende Mutter gut versorgt und vorbereitet in die Geburt geht. Das bedeutet, dass ich jeder Frau als erstes ans Herz lege, sich eine eigene Hebamme zu suchen, sich während der Schwangerschaft und vor allem bei der Geburt von einer Hebamme betreuen zu lassen. In vielen Krankenhäusern ist es möglich, sich für eine Wahlhebamme zu entscheiden. Vor allem als Erstgebärende hat frau ja meistens keine Ahnung, was da wirklich auf sie zukommt. Ich versuche den Frauen klar zu machen, dass es absolut gut investiertes Geld ist, wenn sie sich eine eigene Hebamme leisten. Die Doula ist dann quasi das Tüpfelchen auf dem I. Als Doula versuche ich eine emotionale Stütze für die Frau zu sein, ihr durch meine Anwesenheit und kleinere Handgriffe wie entspannende Massagen, Wasser reichen oder körperliche Unterstützung bei unterschiedlichen Gebärpositionen den Weg in die Mutterschaft zu erleichtern. Eine Doula ist eine Frau, die diesen Weg auch schon gegangen ist. Sie weiß, wovon sie spricht, kann sich emotional ganz auf die Frau einlassen und ihre Erfahrungen und ihr Wissen nicht als Expertin, sondern auf Augenhöhe, also von Frau zu Frau weitergeben. Und letztendlich genießen es die Frauen, wenn sie umsorgt und verwöhnt werden. Es ist einfach ein gutes Gefühl zu wissen, dass frau nicht allein ist und jede Unterstützung kriegen kann, die sie verdient hat. Das ist auch wichtig, damit die Frau ihren Job gut erledigen kann, nämlich diesem Kind, das da geboren werden will, auf die Welt zu helfen. Das kann ihr nämlich niemand abnehmen.

Als Anthropologin/Ethnologin hast du vielleicht noch einen anderen Blick auf die Kultur und Tradition des Mutterwerdens, des Gebärens. Was „siehst“ du da?

Oft ist es ja so, dass Frauen eine ganz falsche Vorstellung vom Gebären haben. Mir hat eine Freundin einmal gesagt, dass sie zum Frauenarzt ja auch keine „fremde“ Person mitnehmen würde. Aber eine Geburt ist mit einem Besuch beim Frauenarzt nicht zu vergleichen. Eine Geburt ist nicht nur ein körperliches, sondern auch ein soziales Ereignis. Und dieses Wissen scheint in unserem kulturellen Kontext verloren gegangen zu sein. Weltweit ist es sehr weit verbreitet, dass Frauen während der Geburt und auch danach liebevoll von ihren weiblichen Verwandten und Freundinnen umsorgt und bemuttert werden. Diese Art der Unterstützung haben Frauen in westlichen Industriestaaten oftmals nicht, die familiären Strukturen sind hier meist ganz andere, das Leben in einem großen Familienverband ist eine Seltenheit geworden. Auch ein Grund, der für eine Doula spricht. Sie kann diese Lücke – zumindest teilweise – schließen.

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Weltweit gibt es natürlich große Unterschiede in der Gebärkultur. Unsere biomedizinische Sichtweise ist nur eine von vielen. Die Vorstellungen darüber, wie das Gebären vor sich zu gehen hat, unterscheiden sich zum Teil je nach Region stark voneinander. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten. So wird Geburt weltweit als ein sehr einschneidendes Erlebnis im Leben einer Frau, einer Familie betrachtet und zahlreiche Rituale und Bräuche haben sich entwickelt, um diesen Lebensübergang zu gestalten und zu begleiten. Das ist etwas, was auch hierzulande wieder vermehrt ins Bewusstsein der Menschen rückt.

Da kann ich Doris Moser abschließend nur zustimmen – die Geburt ist ein körperliches, ein emotionales, ein soziales und einfach ein einzigartiges Erlebnis: Für die werdende Mama, den Papa, das Baby selbst, sowie das Umfeld – und eben auch für die Doula, die es auch selbst schon erlebt hat und den Wunsch hat, dass die Frau, die sie da durch Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett begleitet, es auch als so besonderes Erlebnis ihr Leben lang in schöner Erinnerung behält. Dass die Geburt kein „Honiglecken“ ist, weiß jede(r), und hat auch Doris schon so formuliert – das Kind zur Welt zu bringen, das kann der Schwangeren niemand abnehmen. Aber mit der richtigen Vorbereitung, der richtigen Einstellung und mit liebevoller Begleitung, wird sie zum unvergleichlichen Ereignis.

 

Wir wünschen das auch Euch, liebe Leserinnen und Leser, – vielleicht probiert ihr die DOULA einfach aus, empfehlt sie Euren Freundinnen weiter. Der Arzt und Forscher Dr. John Kennell hat es übrigens so ausgedrückt: „Wäre die Doula ein Medikament, wäre es unethisch, es nicht zu verwenden.“ – Und „Risiken und Nebenwirkungen“, das sage ICH jetzt, gibt es bei diesem „Medikament“ bestimmt keine! 😉

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diekleinebotin.at – Gastkommentar Mag. Veronika Stampfl-Slupetzky, 34, ORF-Journalistin und mit www.mama-lieb.at rund um Schwangerschaft und Geburt als Doula, Bindungsanalytikerin, SAFE-Mentorin uvm. tätig!

Zum Weiterlesen: ein Interview mit Doula Mag. Veronika Stampfl-Slupetzky

Die Artikel der Rubrik „Gäste“ werden von GastredakteurInnen verfasst, die voll für deren Inhalt verantwortlich sind. In diesem Fall bin ich lediglich die Moderatorin und leite gerne diverse Kommentare und/oder Fragen an die jeweilige AutorIn weiter. Daniela.

Photocredit: privat/stampfl-slupetzky

1 Kommentar zu “Gastartikel: Die Doula

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