Freitagsgeschichten

Baby Nr. 4 | FREITAGSGESCHICHTEN

HIER SCHREIBT ALVA. EHRLICH UND ECHT – AUS DEM LEBEN MIT KINDERN & MIT DEM NÖTIGEN SCHUSS HUMOR:

So, so. Das letzte Mal hab ich doch von unseren imaginären Hunden berichtet. Gut, die gibt es immer noch. Aber wie es sich halt mit den Haustieren so oft verhält, sind sie schon viel weniger interessant geworden und wichen anderen, wichtigeren Dingen. Spielen, tanzen, streiten…Mir ist das recht. Nur einmal hab ich geschluckt. Als wir einen Kurzurlaub in der Steiermark machten. Wir waren in einem ganz kleinen entzückenden Dorf einquartiert. Und dort haben wir beim Spazierengehen einen Hund am Wegrand trottend gesehen. Mehrmals. Ohne Marke und ohne sichtbarem Herrl. Meine Kinder witterten ihre Chance. Sie überlegten schon hin und her ob dieser arme, einsame Hund eventuell ein mögliches Familienmitglied werden könnte und wie die Sache zu bewerkstelligen sei.

Da ich aber in einem ebenso kleinen Dorf aufgewachsen bin, weiß ich, dass ein herrenloser Hund nichts zu bedeuten haben muss. Unser Hund ist auch immer durch die ganze Nachbarschaft gewackelt und hat alle möglichen Leute besucht ehe er sich am Abend wieder im trauten Heim eingefunden hat. Marke hatte er schon, außer er hat sie wieder mitsamt Halsband an einem Ast abgestreift, weil er das zusätzliche Flohbandl loswerden wollte.

Und nebenbei bemerkt, sehr arm und verhungert sah dieser steiermärkische Hund jetzt gar nicht aus. Eher sehr wohlgenährt. Zu wohlgenährt. Um nicht zu sagen dick. Er hatte Beine die kaum zu sehen waren und rollte mehr durch die Gegend als er lief. Und schön war er auch nicht so besonders. Natürlich geht es um die innere Schönheit. Das Wissen meine Kinder. Aber der Hund sah halt mehr aus wie ein Schweinchen. Mit stellenweise kahlen Flecken im Fell und er wirkte alles andere als kuschelig. Auch lief ihm ständig der Sabber aus dem Mund. Alles in allem eine etwas bemitleidenswerte Erscheinung, bei der man schon eine Weile brauchte um die innere Schönheit zu entdecken.

Diesem Umstand ist es, glaub ich, auch zu verdanken, dass meine Kinder meine Geschichte von dem Hund der einfach gerne alleine spazieren ging, aufgriffen und inbrünstig erklärten, der Hund habe ja sicher ein sehr gutes zu Hause.

Also Anmerkung an mich, die Hundeliebe hört bei meinen Kindern auf, wenn das Aussehen des Hundes die Niedlichkeitsgrenze verlasssen hat um in die Unförmigkeitszone überzuwechslen.

Heute morgen dafür, als ich kurz den Frühstückstisch verlassen hatte und zurückgekommen war, waren meine Kinder in heller Aufregung. Sie stritten um etwas. Wer „sie“ halten darf, und was damit machen. Ich verdrehte die Augen und dachte die kleine Hundepause ist vorüber. Als ich aber die Frage in den Raum warf worüber sie sich stritten, grinste die Große mich an und sagte: „Wir wollen doch keinen Hund mehr, wir wollen noch ein Geschwisterchen! Am liebsten ein Mädchen! Und bis du wieder schwanger bist, spielen wir eben mit unserer imaginären Babyschwester.“ Bum! Das hat gesessen. Ich warte immer noch drauf, dass eine der drei Mädis das bekannte „Scherz gemacht!!!!“ in die Runde ruft. Denn diesen Wunsch erfülle ich mit Sicherheit nicht. Da dürfen sie ruhig bis zu meinem  Klimakterium ihre imaginäre Schwester in die Schule begleiten;-)

PS: Alle anderen Geschichten von Alva gibt es hier gesammelt!

Die entzückende Illustration stammt aus der Feder von Susanne Binder.

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