Freitagsgeschichten

Mit Essen spielt man. Nicht? | FREITAGSGESCHICHTEN

HIER SCHREIBT ALVA. EHRLICH UND ECHT – AUS DEM LEBEN MIT KINDERN & MIT DEM NÖTIGEN SCHUSS HUMOR:

Kinder brauchen eigentlich kein Spielzeug. Das ist ein Satz, der gerade aus meinem Mund etwas groteske klingt, da die Kinderzimmer voll mit unglaublich viel Zeug sind, das sich in all den Jahren mit den drei Mädchen angesammelt hat.

Aber ich bin dafür auch so eine Mutter, die mit den Mädis ans Meer fährt und alles vergisst. Und sich dort weigert Spielzeug zu kaufen. Und wenn wir dann am Strand sind, sammeln die Mädels die unglaublichsten Dinge zum Spielen. Im letzten Urlaub am Meer wurde stundenlang mit „Herbert dem Stein“ (das ist eine andere Geschichte), zwei Löffeln und einem alten Plastikhäferl gespielt, geschaufelt, gegraben. Und gut war es. Niemand hat gejammert und alle waren glücklich.

Manchmal passiert mit den zweckentfremdeten Utensilien aber auch Unerwartetes. Wie heute.

In der Früh war es ein wenig hektisch und die Kinder saßen alleine beim Frühstück, während ich versuchte, alles für die Schule und den Kindergarten zusammenzupacken. Der erste Tag nach den Ferien hat es immer in sich. Am Tisch stand schon vieles was das Kinderherz mehr oder weniger begehrte. Und vor allem was zwar optisch hübsch, aber essenstechnisch fragwürdig zusammen passte. Meine Kinder hatten nämlich, um mir zu helfen, den Tisch gedeckt. Äpfel, Birnen, und rote Spitzpaprika kugelten neben Brot, Butter, Marmelade und Ketchup, das sich wiederum um Müsli, Parmesan und Schokoaufstrich drapierte. Mit Besteck, Teller und Häferl wurde nur so um sich geworfen. Ebenso mit Worten.

Mit einem Ohr hörte ich, dass das kleinste Mädchen begeistert in ein, so nahm ich an, Walkie-Talkie sprach. Ihr Lieblingsspiel. Sie besaß auch schon diverse Plastikteile, in die sie dann herrisch Befehle rief. Wie jetzt. Ich vernahm während ich die Jausen in die Rucksäcke verstaute: „Sofort von der Leiter steigen!“ Und als ich mir dann Kaffee einschenkte ein: „Elsa! Ich verzaubere dich in einen Hund!“ Die anderen beiden Mädis gaben Antworten, die ich nicht verstand und kicherten ununterbrochen. Klein Mädi rutschte vom Sessel um irgendetwas zu holen und ich nahm endlich mit meinem Kaffee am Frühstückstisch Platz.

Der Tisch sah aus, als hätte ein Hurrikan darüber gefegt. Aber der Wille stand ja bekanntlich fürs Werk. Die Kleinste hatte offenbar ein wenig Brot auf ihren Honig geschmiert und war somit bei der Nachspeise angelangt. Der angenagte Spitzpaprika der am Tellerrand lehnte, paßte wunderbar ins Bild.

Ich wusste aus Erfahrung, war einmal das Honigbrot dran, war Gemüse Geschichte. Daher nahm ich den Paprika am Stiel in die Hand und begann ihn aufzuessen. Als ich beim letzten Bissen war, kam Klein-Mädi von ihrem Ausflug auf die Toilette, wie sie mir mitteilte, zurück und setzte sich neben mich. Auf einmal stieß sie einen schrecklichen Schrei aus und fuchtelte in meine Richtung. Drei Augenpaare starrten mich entsetzt an. Meiner großen Tochter entflutschte ein „Oh, ohhh. Mama, wie kannst du nur?“

Was hatte denn ich gemacht? Ich war mir keiner Schuld bewusst und drehte verwirrt am Stiel des Spitzpaprikas herum. Die Kleine brüllte wie am Spieß. Mit den Wortfetzen, die das Schreien begleiteten, konnte ich aber wenig anfangen. Denn immer hörte ich nur: „Mama….Walkie-Talkie gefressen…!“

Bis mich meine Mittlere unter Augenrollen aufklärte. Es war der Spitzpaprika!! Der war heute ihr Walkie-Talkie gewesen. Und ich hatte ihn soeben bis auf die Antenne aufgefressen. Ich sag´s ja. Kinder brauchen kein Spielzeug. Dafür weiß ich jetzt auch warum man mit Essen nicht spielen darf….weil wenn es dann gegessen wird, die Schreierei viel zu groß ist.

 

PS: Alle anderen Geschichten von Alva gibt es hier gesammelt!

Die entzückende Illustration stammt aus der Feder von Susanne Binder.

 

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