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SHOP SMALL | Interview mit Nóra von Mummu HANDYTOYS

Ich habe Nóra vor mehr als 2 Jahren in Wien getroffen. Auf einem Handwerksmarkt hat sie ihre perfekten, winzigen und wahnsinnig entzückenden Püppchen und Spieltierchen gezeigt! Ich war vom Fleck weg verliebt!

Mummu HANDYTOYS

Nun bietet sich eine gute Möglichkeit, Euch Nóra, die Mummus und die wunderschönen Doll-Houses zum Mitnehmen vorzustellen! Die Welt von Nóra ist aber noch so viel mehr, als das Handwerk und die detailverliebte Verarbeitung. Es gibt die Geschichten rund um die Mummus und die Figuren scheinen plötzlich „echt“…..

Wir haben seit kurzem ein Mummu Dollhouse und die Mädchen sind begeistert!

Wir haben es immer dabei, weil es wenig wiegt, aber so viel Spielmöglichkeiten bietet!

Hinter Mummu HANDYTOYS verbirgt sich eine herzliche Frau und ganz viel Phantasie, die über die Figuren ausgedrückt wird.

Auf Facebook gibt es sogar einen der entzückenden, handgemachten Mummus zu gewinnen! ♥

INTERVIEW MIT NÓRA VON MUMMU HANDYTOYS

Was hat Dich dazu bewegt, das zu tun, was Du heute machst?
Wie war der Weg hierher?

Ich könnte sagen, dass Mummu ein Wunsch war, den ich schon seit meiner Kindheit gehegt habe, und dass ich schon damals sehr geschickt mit Garn und Nadel umgehen konnte, aber das würde ziemlich weit von der Wahrheit liegen. Wahr ist, dass ich schon immer Kleider nähen konnte, und für mich selbst aus Draht verschiedene Schmuckstücke, zum Beispiel Ohrringe anfertigte, aber meine ersten Versuch mit selbst angefertigten Spielzeugen hatten einen in erster Linie praktischen Grund: ich war nämlich Co-Besitzerin eines Kinderbuchladens und wir wollten da auch handgemachte Spielzeuge anbieten. Daraus ist allmählich durch lange-lange Jahre das Projekt Mummu Handy Toys erwachsen, währenddessen ich diese Art von Arbeit sehr lieb gewonnen habe. Mummu ist von Anfang an eine Einpersonenmanufaktur mit ein paar Mitarbeitern, die gelegentlich mithelfen, und ich beabsichtige auch nicht, daran zu ändern. Das macht die Produkte irgendwie persönlich und exklusiv, und so kann meiner Meinung nach dieses Ganze für andere interessant sein. Das Mummu-Projekt ist eine komplexe Sache, in der die Texte und die Kommunikation eine genauso große Rolle spielen, wie die Spielzeuge selbst. Für mich sind diese drei Faktoren voneinander nicht zu trennen, sie bilden eine perfekte Einheit.

Wo fühlst Du Dich inspiriert? Arbeitest Du eher daheim? Oder kommen die Ideen auf Reisen?

Ich arbeite zu Hause und ich reise wenig. Für Mummu lieferten in erster Linie Texte und Illustrationen die Inspiration, und vor allem die Arbeiten der Malerin und Kinderbuchillustratorin, Fruzsi Kun. Aber in Ungarn gibt es ja sehr viele begabte Illustratoren, von denen ich lernen konnte, wodurch etwas niedlich, aber nicht zuckersüß, seelenvoll, aber nicht sentimental wirkt. Das war für mich die größte Inspiration. Außerdem achte ich sehr genau auf die Ereignisse um mich herum, und gewinne daraus viele Ideen für meine Märchen. Ich bin keine Schriftstellerin, ich brauche einfach Dinge und Personen, die wirklich existieren, über die ich dann schreiben kann, die ich darstellen, gestalten kann.

Betreibst Du das Label als Business?

Ja, ich gestehe es ganz offen, für mich ist das Business. Aber in Ungarn ist es gar nicht leicht, sich als Handwerkerunternehmer den Lebensunterhalt zu sichern, deshalb habe ich immer darauf geachtet, dass ich auf mehreren Beinen stehe. Zum Glück habe ich auch andere, freiberufliche Beschäftigungen, mit denen ich die finanziell schwächeren Perioden dieses Geschäfts überwinden kann, so mache ich zum Beispiel schon seit 25 Jahren Leserkorrekturen und Redaktionsaufgaben für diverse Verlage. Das eigene Unternehmen und die freiberuflichen Aufträge kann ich gut miteinander versöhnen, sie ergänzen sich gut.

Wir Mamas sind besondere Kunden – viele von uns lieben das unique und handgemachte! Folgst Du Trends oder setzt Du welche?

Ich verfolge die Trends mit großer Aufmerksamkeit, weil es mich interessiert, was um mich passiert, aber ich folge ihnen nicht strikt. Ob ich sie setze? Bewusst ganz sicherlich nicht. Ich habe ein ziemlich konstantes, stabiles Bild in meinem Kopf davon, was ich machen möchte und wie ich es machen möchte, und nur weil andere es anders machen und das trendy ist, ändere ich nicht an meinen Vorstellungen. Auf die Farben zum Beispiel wollte ich nie verzichten, nur weil gerade Farblosigkeit angesagt war. Trends sind halt so, sie kommen und gehen. Das ist aber eine andere Frage, dass man die Dinge manchmal abstauben muss. Einem Trend zu folgen bedeutet für mich ungefähr so etwas, als würde man das Haus gründlich durchlüften: mit den Möbeln und Gegenständen passiert nichts, nur die Luft um ihnen wird frisch. Eine andere Typografie hier, eine neue Grafik da, eine kleine technische Veränderung anderswo, aber die Richtlinien bleiben unverändert. Meine feste Mitarbeiterin, Fruzsi Kun, ist die beste Partnerin dabei. Sie hat auch viel dazu beigetragen, dass die Welt von Mummu heute so aussieht. „Hier passiert etwas!” – wurde mir einmal auf einem Markt an meinem Stand gesagt. Mir reicht so viel vom Hip sein vollkommen aus.

Bei welcher Tätigkeit bist Du im FLOW?

Beim Entwerfen und beim Texten. Aber außer einer kurzen Periode des Jahres bleibt im Alltag, wenn ich während der Woche größtenteils mit der Anfertigung der Produkte und mit der Kommunikation mit den Kunden beschäftigt bin, ziemlich wenig Zeit für neue Pläne und neue Geschichten. Das ist meiner Meinung nach ganz allgemein das größte Problem der kleinen Manufakturen: dass der Tag aus 24 Stunden besteht und man nur zwei Hände hat.

Welche Kindheitserinnerung passt zu Deinen handgemachten Sachen? Was hat Dich geprägt?

Ich bin in den sozialistischen Zeiten groß geworden. Da es damals bei uns nicht so viele besonders schön angefertigte und schicke Spielzeuge gab, habe ich mit Allem gespielt, was ich parat hatte, so auch mit französischen Spielkarten zum Beispiel: der König war der Prinz, die Dame die Königstochter. Aber eines Tages bekamen wir neue Nachbarn, eine Familie, deren Verwandte 1956 nach Österreich geflüchtet waren. Die Nachbarskinder bekamen dann immer unheimlich phantastische Spielzeuge, Puppen zum Kleiden, ein Puppenhaus mit unglaublichen Miniatüren. Ich durfte diese nicht ausleihen und mit nach Hause nehmen, aber bei ihnen konnte ich mit all diesen Spielzeugen spielen. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, mache ich heute ähnliche Dinge, nach denen ich mich damals so gesehnt habe und die ich nie bekommen konnte. Das mag jetzt dramatisch klingen, ist das aber keineswegs, nicht einmal traurig für mich. Der Mangel von etwas und die Sehnsucht danach ist inspirierend, die sofortige Erfüllung der Wünsche aber ganz im Gegenteil.

Wenn Du eine Stadt wärst, welche wäre es und warum?

Natürlich wäre ich Mummutown.

Mummutown ist eine zufällig entstandene kleine Gemeinschaft mit kleinen Geschehnissen. (Wer sich für diese „Zufälligkeit“ interessiert, sollte die Märchen auf meiner Webseite lesen, und er wird alles sofort verstehen) In diesem schön gelegenen Städtchen hat jeder seinen eigenartigen Charakter, mit Tugenden, Fehlern, Stärken und Schwächen. Die Figuren sind keine Superhelden, die immer ganz genau wissen, was sie tun oder sagen sollten. Sie treffen oft schlechte Entscheidungen, die auch unangenehme Folgen haben werden, aber zum Glück gibt es immer jemanden – immer ein anderer -, der gerade an dem Punkt vernünftig bleibt und sich dazwischen mischt, um das Problem zu lösen und die weitere Katastrophe zu vermeiden. Nicht durch irgendwelche Superfähigkeiten, sondern einfach nur durch Kommunikation,  und so gelingt es ihm, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu zeigen. Es gibt natürlich immer welche, denen das ein bisschen langsamer geht, aber danach ist alles nur eine Frage der Einsicht. Es wäre ja schön, dort zu leben.

 

DANKE, Nóra Szatmáry ♥

 

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