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Eigenständigkeit und Trotzphase | Tipps zum Ruhe bewahren. PLUS Buch-Empfehlung

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Eigenständig die Welt entdecken.

Wenn das Kind anfängt, voller Neugier und Tatendrang das Wohnzimmer, die Regale oder sogar die Klo-Bürste zu erkunden, wenn es laut und wehement wird, beginnt eine spannende Zeit, durch die wir unsere Kinder begleiten dürfen. Die rosa-plüschige-Hormon-Phase ist meist vorbei, wenn wir uns vom Nachwuchs täglich zeigen lassen, wo die Wohnung nicht kleinkindsicher ist und wo noch Kabel versteckt sind, an die wir längst nicht mehr gedacht haben. Der Fernseher steht schließlich seit 10 Jahren an diesem Platz…

Im Alltag ist es wichtig, sich auf Konflikte einzustellen, diese zu begleiten und kompromissbereit zu werden.

Kinder wollen kooperieren, Erwachsene nicht immer….

NEIN!…… ist ganz häufig das erste Wort, das ein Kind sagen kann, wenn es sprechen lernt. Weil es das jeden Tag mehrmals zu hören bekommt.

Allerspätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um die Wohnung nochmal mit neuen Augen zu betrachten: Kabel, Steckdosen, Pflanzen, Schubladen mit Scheren oder dergleichen müssen entschärft, entfernt oder entsprechend gesichert werden. Das steht ausser Zweifel.

Wir haben Laden und Kisten für Spielzeug zur Verfügung gestellt. So können die Mädchen im normalen Wohnbereich spielen und fühlen sich ernstgenommen. Am Foto sieht man die Rattanboxen unten, da hat die Duplo-Sammlung ihren Platz – direkt neben meinen Büchern. So ist es uns recht gut gelungen, weniger NEIN zu sagen und Ruhe zu bewahren: Die Kinder können ihre Sachen ausräumen und auch das Regal als Höhle oder Spielzeug verwenden, ich muss nicht dauernd dazwischen gehen. Dennoch ist nach dem Aufräumen alles so verstaut, dass mir unser Wohnzimmer noch gefällt.

Trotzphase, Autonomie und andere Befindlichkeiten

Wenn das Kind seinen eigenen Willen entdeckt und ihn dann natürlich auch umsetzen will, neugierig auf das Leben ist und alles für sich erkunden mag, beginnen wir damit, das verhindern zu wollen…

Warum?

Weil wir „brave“ (angepasste?) Kinder wollen?

Weil unsere Eltern es bei uns so gemacht haben?

SOMETIMES I OPEN MY MOUTH AND MY MOTHER COMES OUT.

Geht es Dir auch manchmal so? Brauchst Du Alternativen? DANN LIES WEITER:

Die kindliche Reaktion auf ein „Nein!“ oder ein Verbot ist oft Geschrei, Wut und Trauer. Eine Abfolge von Emotionen, die das Kind übermannen und völlig im Griff haben.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder sehr klar kommunizieren, wenn wir es verstehen wollen. Erst ohne Worte und dann nach und nach verbal. Sie schreien, toben und wüten und zeigen alle Gefühle so, wie sie sie gerade empfinden. Das ist gut! Nicht immer einfach, vor allem für die Umgebung nicht, aber gut. Gefühle sind so vielfältig und wie soll ein Kind sie denn kennen- und benennenlernen, wenn es sie nicht ausleben darf?

MAMA-Coach Linda vergleicht die Gefühlswelt mit einer Klaviatur:

 

 

Vom Wunsch und vom Schmerz

Letztens konnte ich meiner Kleinen (3,5) einen Wunsch nicht erfüllen, was ein Drama zur Folge hatte. Es war Abend, sie war müde und dem entsprechend war ihr Schmerz, ausgelöst durch mein Verhalten noch intensiver. Sie hat geweint, sich auf dem Boden gewunden und ist dann heulend, schreiend und quietschend ins Bett abgedampft. „Lass mich allein! Ich muss schreiiiiin!“ Das hab ich akzeptiert und nach etwa 10 Minuten Geschrei hab ich sie gebeten, zumindest mit dem Quietschen aufzuhören… Immerhin hat sie sich dann hochnehmen und halten lassen und mich dann mit roten Augen angeschaut. Mit tränenerstickter Stimme sagte sie: „ICH WILL SO SEIN, WIE ICH BIN!“ – BÄMM. Das saß punktgenau.

Sie hat so recht! Natürlich darf sie sein, wie sie will. Sein, wie sie gerade ist.

Genau das habe ich ihr dann auch ruhig und klar gesagt. Ich habe ihr aber auch gesagt, dass mir das Geschrei schon in den Ohren dröhnt und ich sie gern bei mir habe und tröste, wann sie mag und so lange sie mag. Das wollte sie dann auch und ihr Schluchzen ist nach wenigen Augenblicken abgeebbt.

Später beim Essen haben wir dann nochmal über die Situation gesprochen, weil Frl. Tochter ihre Schwester noch fragen wollte, warum sie so geweint hat. Die Kleine antwortete ruhig: „Weil ich zornig und grantig war.“ Ich freue mich immer sehr, wenn sie Worte dafür findet. Es entsteht dabei das schöne Gefühl, das Gewesene „abzulegen“, ohne es zu verdecken oder zu negieren.

In der Situation reagieren.

Situationen wie die oben beschriebene sind so anstrengend, weil sie eine Gratwanderung sind. Die eigenen Bedürfnisse, die der restlichen Familie mit denen, von großen Gefühlen geschüttelten, Kleinkindern zusammen zu bringen ist echt eine Herausforderung. Seit ich mir immer kurz überlege, wie wichtig es MIR wirklich ist, komme ich SELBER viel einfacher durch den Tag. Wenn ich selber weiß, was MICH stört oder was ICH brauche, dann kann ich auch viel klarer kommunizieren – was wiederum die Kinder ganz anders aufnehmen.

Es gibt so Vieles, das uns momentan belastet, blockiert und uns in der Sicht- und Handlungsweise einschränkt, das wenig später nicht mehr „so wichtig“ ist. Mal ehrlich, wie wichtig ist die Farbe der Hose, die Wahl der Schuhe oder der Strassenseite, wenn es dafür ohne Drama läuft? Viele Konflikte sind Machtspiele, in denen wir den Kindern unsere Überlegenheit demonstrieren, oftmals deshalb, weil wir Verhaltensmuster in uns haben. Diese zu erkennen ist ein erster, wichtiger Schritt!

Spiel dich geistig frei.

Die Trotzphase verstehen und damit umgehen

Meist ist es Geschrei, Getobe und lautstarke Unmutsäußerung durch die Kinder ihrem Ärger Luft machen. Diese Momente können wir je nach Intensität, Dauer und DER EIGENEN Verfassung mal besser und mal weniger gut ertragen und begleiten. Susanne Mierau rät in ihrem neuen Buch „ICH! WILL! ABER! NICHT! – Die Trotzphase verstehen und gelassen meistern“ dazu, neues Denken zu entwickeln.

  • Mein Kind handelt so, weil es nicht anders kann. Es ist keine Absicht und kein Machtspiel.
  • Die Ursache für meine schlechte Laune liegt wahrscheinlich in mir selbst, nicht im Verhalten meines Kindes.
  • Ich bin Vorbild: darin, wie ich mit Konfliktsituationen umgehe und meine Emotionen zeige und reguliere.
  • Eigenständigkeit ist das Ziel der kindlichen Entwicklung. Ich sollte sie nicht unterbinden, wenn ich mir ein selbständiges Kind wünsche.
  • Mein Kind braucht Hilfe in der Regulation seiner Gefühle.
  • Ich bin eine gute Mutter, auch wenn ich mal genervt bin.

Glaubenssätze, wie die aus Susanne Mieraus Buch, helfen dabei, die eigene Haltung zu überdenken und zu Gunsten eines bedürfnisorientierten Familienlebens neu auszurichten.

Daran halte ich fest und das ist es, was ich in den letzten Jahren wirklich gelernt habe. Die eigene Haltung ist es, die uns hilft Ruhe zu bewahren. Selbst wenn es mir nicht immer gut gelingt, hilft es ungemein, mit „anderen Augen“ auf die Situation zu schauen bzw. sie zu reflektieren.

Zusammengefasst FÜR MICH UND DICH:

  • UMGEBUNG ANPASSEN = WENIGER „NEIN“
  • JEDEN WUNSCH HÖREN, ABER NICHT JEDEN ERFÜLLEN
  • WAS STÖRT MICH WIRKLICH?
  • ICH BIN EINE GUTE MUTTER!

PS: Einen schöner Beitrag, wie die Wohnung kleinkindsicher und zur „Ja!-Umgebung“ wird, gibt es bei geborgen-wachsen.de

 

  1. Mir so aus dem Herzen geschrieben und so wohltuend .. vielen Dank! Und ein toller aktueller Link zur Spielraumgestaltung bei der Ostseeräuberbande 😉

    https://www.ostseeraeuberbande.de/2017/10/23/spielbereiche-gliedern-und-gestalten/
    LG aus Schweden

  2. Ich muss mir immer wieder vor Augen führen, dass es „das ist halt so“ oder „das macht man so“ nicht gibt. Zumindest für mich nicht. Wenn ich die Situation mit „warum“ hinterfrage, löst sich vieles von selbst. Aber dazu muss man immer wieder inne halten. Dein Artikel hat mir das auch wieder vor Augen geführt. Danke!

    • Das stimmt! Mir geht es genauso, das sind eingefahrene Muster und antrainierte Haltungen. Aber es ist an uns, das zu erkennen und ggf zu ändern! Und ein „WARUM“ ist nie verkehrt 😉
      GLG Daniela

  3. Ich habe auch zwei Kinder in der Autonomiephase – bei uns herrscht den ganzen Tag Emotion pur 😉 Danke für deine wichtigen Hinweise! Besonders wertvoll finde ich den Gedanken, dass man sich – nur um das Kind zu unterstützen – nicht völlig aufgeben sollte. Auch die eigenen Bedürfnisse zählen und dürfen ausgedrückt werden, wie du es in deinem Beispiel auch schön erläuterst.

    Liebe Grüße
    Lena von kraftvollMama.de

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