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Lesestoff: Achtsamkeit mit Kindern

GASTARTIKEL

Eigentlich war ich wegen einem ganz anderen Buch im Buchladen. Das gab es aber nicht und so stöberte ich noch ein wenig herum. Dabei fiel mir das Buch von Thich Nhat Hanh in die Hand. Oder war es der Titel, der meine Aufmerksamkeit erregte? „Achtsamkeit mit Kindern“. Im ersten Moment klang es fast ein wenig paradox. Gleichzeitig jedoch wie etwas sehr erstrebenswertes. Sehr sehr sehr erstrebenswert.
Selbst war ich immer wieder auf die Achtsamkeitspraxis gestoßen. Auf Meditationsübungen und etwas mehr „Im Jetzt Sein“ im Alltag. Das Ganze nun auch nicht nur auf die Kinder übertragen zu können, sondern mit ihnen gemeinsam zu praktizieren, rief in mir einen helles „Oh ja!“ hervor. Mein Sohn kann ein ziemlicher Wirbelwind sein und ist oft hin und hergerissen zwischen so viel Aufregung in seinem kleinen Alltag. Da würde ich mir wünschen, ihn ein wenig ins Jetzt und Hier zu holen. Und dort auch zu behalten.

Und so begann ich zu lesen. Das Buch erzählt zum einen von Plum Village, einem Familienretreat im Südwesten Frankeichs, an dem jährlich Hunderte Menschen aus aller Welt teilnehmen. An dem nicht nur die Erwachsenen, sondern auch die Kinder Achtsamkeit üben und praktizieren. Thich Nhat Hanh erzählt dabei immer wieder davon wie interessiert und fasziniert Kinder davon sein können. Wie gebannt sie ihm auf seine Gehmeditationen folgen. Wie sie mit ihm schweigen und in die Ferne schauen. Ohne dabei gelangweilt zu wirken oder unruhig.

„Ich baue sehr darauf, dass Kinder und Jugendliche hier Dinge lernen, die gemeinhin nicht in der Schule gelehrt werden, so wie achtsames Atmen, achtsames Gehen, zu lernen, wie man tief schaut und wie man sich um die eigene Wut kümmert.“  (Thich Nhat Hanh)

Zum anderen richtet sich das Buch aber auch ganz gezielt an LehrerInnen. Die natürlich mit den Kindern in ihrem Schulalltag diese vorgeschlagenen Übungen anwenden, aber dabei selbst ja auch ein gewisses Maß an Achtsamkeit leben sollten.

„Um Kindern erfolgreich Achtsamkeit näherzubringen, müssen Sie sich zunächst einaml selbst mit ihr vertraut machen. Ihre Gegenwärtigkeit, ihre Ruhe und ihr Friedne sind das größte Geschenk, das Sie jungen Leuten machen können. Sind Sie gefestigt, glücklich und mitfühlrend, werden Sie ganz selbstverständlich wissen, wie Sie ein glückliches, familiäres oder schulisches Umfeld schaffen und die positivien Eigenschaften in Ihren Kindern, anderen Familienmitgliedern, Schülerinnen und Schülern und den Arbetiskollegen nähren können.“ (Thich Nhat Hanh)

Von ein paar solchen LehrerInnen und ihren Erfahrungen wird im Buch sehr berührend und eindrucksvoll berichtet.

Und so sind neben ein paar einfachen Achtsamkeitsübungen für Erwachsene, die sehr leicht in den Alltag zu integrieren sind, unzählige Übungen, die man mit kleinen Gruppen von Kindern praktizieren kann, ausführlich beschrieben. Übungen, die den Kindern die Freude an etwas Ruhe und „Zu Sich  Kommen“ aufzeigen, ihnen die Möglichkeiten geben über ihre Gefühle zu reden und sich zu artikulieren, zu kommunizieren. Auf sich selbst zu achten. Viele der Übungen können mit kleineren Gruppen (in der Familie) aber auch mit größeren Gruppen (in der Schule) sowohl daheim als auch draußen in der Natur durchgeführt werden. Einige davon erinnern ein wenig an die Stilleübungen von Maria Montessori. Die die Kinder ebenfalls ein wenig zur Ruhe bringen. Ohne sie dabei „ruhig zu stellen“, sondern ihnen stattdessen die Schönheit der Stille nahezubringen. Und die Tatsache, dass Thich Nhat Hanh in diesem Buch nicht nur auf die Kinder abzielt, sondern auch auf die LehrerInnen, erinnert ebenfalls an Montessori, der es auch sehr wichtig war, dass die PädagogInnen eine gewisse respektvolle, achtsame Grundhaltung entwickeln und mit sich tragen, wenn sie mit Kindern arbeiten.

Natürlich ist mein Sohn mit seinen 3 Jahren noch ein wenig zu klein für viele dieser Übungen. Aber vielleicht schaffe ich es ja, bis er in einem angemessenen Alter ist, ein wenig mehr Achtsamkeitspraxis in meinen Alltag zu integrieren. Und dann gemeinsam mit ihm, seiner kleinen Schwester und den anderen Kindern aus unserem Wohnprojekt hin und wieder zu etwas (innerer) Stille einzuladen.

Achtsamkeit mit Kindern buntraum die kleine botin

Die Autorin: Nadine Hilmar, Ehefrau und Mutter von 2 Kindern. Familienbegleiterin und Bloggerin. Hat die Berufung zum Leben gemacht. Und das Leben zur Berufung. www.buntraum.at

Die Artikel der Rubrik „Gäste“ werden von GastredakteurInnen verfasst, die voll für deren Inhalt verantwortlich sind. In diesem Fall bin ich lediglich die Moderatorin und leite gerne diverse Kommentare und/oder Fragen an die jeweilige AutorIn weiter. Daniela.

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