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Kindergarten … so siehts wirklich aus.

Kaum den Babysöckchen entwachsen geben wir unsere Kleinen zumindest stundenweise in fremde Hände. Meist, weil es so gewollt ist, oft ist es nicht anders möglich. …. Gern in bestens ausgebildetet PädagogInnen-Hände, weil ja alle Eltern das Beste für die Kleinen wollen. Dass die Realität freilich oft anders ausschaut ist ja nicht neu

– wiedermal aufs vielzitierte Tableau gebracht allerdings durch einen Artikel im Profil 25, 18. Juni 2012: „Der Grant der Tanten“ berichtet von zu viel zu grossen Gruppen, eklatantem Personalmangel, schlechten Ausbildungsbedingungen (der akademische Status wird schon lang gefordert) und nicht zuletzt von Frustration. Weil Eltern vernachlässigte, unvorbereitete Kinder in den Kindergarten „stecken“ und erwarten im Pflichtjahr vor Schulbeginn sei es Sache der „Tanten“ alles Verabsäumte aufzuholen und das Kind schul- und gesellschaftsfit zu machen.

Freilich gibt es Ausnahmen: die meist privaten Einrichtungen, die dann auch dementsprechnend zu bezahlen sind, sind gerade im städtischen (wiener) Bereich sehr begehrt – so werden junge Eltern, die es schaffen, das nötige Kleingeld aufzubringen auf Wartelisten gesetzt und dann darf gehofft werden.

Die Mutter eines 20 Monate alten Sohnes aus Wien berichtet über einen privaten Kindergarten im 1. Bezirk. „Wir haben uns die Gruppe der 3-4 Jährigen angesehen und die konnten mind 3 Sprachen fließend. Die Kinder dort haben meist nicht Deutsch als Muttersprache. Jake’s bester Freund ist Russe. Seine Freundin kommt auf Amerika. Nun ein paar Fakten: 8-10 Kinder in J.’s Gruppe, 4 Betreuer. Sie sprechen dort Spanisch (zwei), Englisch (eine) und Deutsch. Ihnen gehört eine ganze Altbauwohnung, es wird täglich von einer Ernährungsberaterin im Haus gekocht (frisch!). Sie gehen täglich in den Stadtpark. Es wird dort auch sehr auf musikalische Früherziehung wertgelegt. Die Pädagoginen haben eine Musikausbildung und bringen den Kindern Rhytmus etc bei. Sie malen und basteln jeden Tag. Singen in allen drei Sprachen und spielen Trommel etc. Ab 3 können sie wahlweise Geige, Klavier oder Gitarre lernen. Es sprechen nur Native Speaker mit ihnen. Der Kindergarten hat zwei Standorte in Wien. Sie gehen sehr herzlich mit den Kindern um. Sie kuscheln mit ihnen und geben ihnen Bussis. Sogar die Leiterin kennt jedes Kind beim Namen. Es ist wie eine riesige Familie“

Tips, wie man einen guten Kindergarten findet, gibt eine Pädagogin aus Wien: „Ich war in einem privaten Kindergarten, dh. dort ruft man am besten an, macht sich einen Besichtigungstermin direkt mit der Leitung aus. Ein guter Kindergarten lädt persönlich ein, zeigt den ganzen Kindergarten, erklärt das Konzept, dh die Leiterin (oder Stellvertretung) nimmt sich bis zu einer Stunde Zeit, um alle offfenen Fragen zu beantworten.

Ein guter Kindergarten würd eher nicht darauf bestehen, sofort die Anmeldung verbindlich auszufüllen/anzuzahlen, unsere Chefin meinte immer, die Leute sollen heimgehen, drüberschlafen, ob sie mit dem Konzept einverstanden sind und von ganzem Herzen herkommen möchten (dann gibts später weniger Probleme). Wichtig ist, sich zu den Besichtungsterminen einen Fragenkatalog mitzunehmen, was einem wichtig ist.

  • Tagesablauf: Essen, Trinken, Schlafen, Rituale
  • Eingewöhnung: Wie wird sie genau durchgeführt? (sanfte Eingewöhnung zB: Mind. drei Tage hintereinander nur zuschauen, Mama/Papa passiv im Raum, dann wird indivudell entschieden, wie lange das Kind jeweils alleine drinnen bleibt (Bezugsperson in der Garderobe, etc), ist das Kind gut eingewöhnt, erst mit Schlafen beginnen, etc.
  • Ausflüge, Garten, Schwimmen, Eislaufen?
  • Personal: Ausbildungen/Bezugspersonen
  • Öffnungszeiten, Ferienzeiten, Schließzeiten

wie lange bleibt das Kind in der Gruppe, wie werden Gruppen/Personalwechsel gestaltet?

versteckte Kosten für Ausflüge/Bastelmaterial oder alles inklusive?

  • Spezielle Angebote: Englisch? (einmal wöchentlich gesondert oder mittels native speaker in den Alltag integriert?)

Was besonders gut ankommt ist, wenn die Leitung sich wirklich Zeit für die Eltern nimmt, ihnen das Konzept unverbindlich erklärt, keine „Werbung“ macht, sondern es den Eltern offen lässt, ob der Kindergarten und seine Infrastruktur sie anspricht. In unserem Kindergarten musste man sich im vorherigen Schuljahr für das nächste anmelden. Dh jetzt Anmeldung, frühestens im nächsten September ein Platz. Innerhalb des Jahres werden selten Plätze frei bzw es gibt eine ellenlange Warteliste. Wichtig ist, sich trotzdem überall auf die Wartelisten setzen zu lassen.

Tipp: wenn der Kindergarten wirklich überzeugt, hartnäckig sein, die Leiterin wiederholt freundlich kontaktieren, nicht so schnell locker lassen, überzeugten, netten Eltern gibt man gern mal nach Möglichkeit einen Platz (wenn kurzfristig was frei wird, zB.)“

 

In den meisten privaten Kindergärten müssen die Kinder kurz nach der Geburt angemeldet werden, Wartezeiten von (mehr als) 1 Jahr sind keine Seltenheit, dazukommt eine Einschreibgebühr.

Verursacht sind diese Missstände wie in manch anderen Bereichen im österreichischen Sozialstaat dadurch, dass die Kindergärten den Ländern unterstellt sind: 9 Bundesländer = 9 verschiedene Gesetzeslagen, Gehaltsschemen, Öffnungszeiten, Gruppengrössen, etc.

In unserem Fall ist die Sache noch recht am Anfang, ich muss Frl. Tochter ab sofort drei Vormittage pro Woche in die Krabbelstube bringen, damit ich wieder in den Job einsteigen kann. Hier werden bis zu 16 Kleinkinder von 2 Pädagoginnen und einer Helferin betreut. 200€ (ohne Essen) müssen aber erst mal verdient werden – und das Hinbringen und Abholen organisiert, aber bisher läuft es ganz gut!

 

Adressen, die weiterhelfen:

kinderdrehscheibe.at

Kinderbetreuung Stadt Wien

betreut.at

Tagesmutter Hilfswerk

öffentliche Kindergärten in Wien

 

weiterlesen:

Protestveranstaltung der KindergartenpädagogInnen

Kinderbetreuungseinrichtungen Wien

Essay von Jesper Juul: „Wem gehören unsere Kinder?“

 

 

 

3 Kommentare

    • Daniela sagt

      Liebe Anke.
      Leider will der KiGa nicht namentlich genannt werden, genauergesagt weiß ich es selber nicht. Die Mutter, die mir davon berichtete hat es so begründet. Tut mir leid…
      In diesem Artikel steht dieser tolle Kindergarten eher als Beispiel, dass es wirklich gute Einrichtungen für Klein(st)kinder in Österreich/Wien gibt.
      Viel Erfolg beim Suchen / dabei einen guten Platz zu bekommen!

      LG Daniela

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